Test: Blackberry Q10 – Top und Flop

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Blackberry belebt mit dem Blackberry Q10 die echte Tastatur bei Smartphones wieder. Wir haben in unserem Test das Blackberry Q10 ganz genau unter die Lupe genommen und verraten dir, warum es auf der einen Seite richtig gut, auf der anderen Seite jedoch kaum zu gebrauchen ist.

Wer heute ein aktuelles Smartphone mit physikalischer QWERTZ-Tastatur sucht, stößt nicht gerade auf eine große Auswahl. Die echte Smartphone-Tastatur wurde zum größten Teil von den Full-Screen-Modellen mit On-Screen-Tastatur verdrängt. Der ehemalige Business-Smartphone-Primus Blackberry will mit seiner über die vergangen Jahre gesammelten Expertise auf dem Gebiet diese Lücke mit dem Blackberry Q10 füllen. In letzter Zeit lief es nicht gut für Blackberry. Das Unternehmen ist nun in vielen Ländern gar hinter Windows Phone zurück gefallen und musste laut Bloomberg kürzlich in Kanada 250 Mitarbeiter entlassen. Daran konnte auch das neue Betriebssystem BB10 nichts ändern, welches im Vorfeld von Blackberry als neuer Hoffnungsträger gehandelt wurde. Ihr aktuelles Full-Screen-Modell Z10 bekam zwar von der Presse überwiegend positive Resonanz, verkaufte sich dennoch schleppend. Nun steht seit einigen Wochen das Blackberry Q10 in den Regalen.

Blackberry Q10 Verarbeitung

q10_1Das Smartphone mit der echten QWERTZ-Tastatur will zurück zu den erfolgreichen Wurzeln von Blackberry finden. Dazu gehört eine wirklich hervorragende Verarbeitung. Die leicht gewölbten Tasten finden einen perfekten Druckpunkt und können nach einiger Übung sicher blind bedient werden. Blackberry-Fans werden sie lieben und kaum aus dem Schwärmen geraten. Die Rückseite besteht aus Kevlar-ähnlicher Plastik die sich durch ihre leichte Gummierung sehr griffig anfühlt. Auch der Rest des Äußerem wirkt erstklassig und dem hohen Preis angemessen. Mit einer Dicke von einem Zentimeter ist das Blackberry Q10 jedoch ein wenig pummelig.

„Winziges“ Display

Doch bedingt die echte Tastatur auch ein für heutige Verhältnisse winziges Display. Das quadratische 3,1-Zoll-Display wirkt besonders beim Surfen und Nachrichtenlesen unterdimensioniert. Dafür ist es dank der 330 ppi ähnlich wie das iPhone 5 gestochen scharf, könnte jedoch vor allen bei der Nutzung im direkten Sonnenlicht etwas heller sein. Wir bemerkten im Test am unteren Bildschirmrand zuweilen Touch-Probleme. Da wir bei unserer Netzrecherche jedoch nicht auf Q10-User mit ähnlichen Problemen stießen gehen wir von einem Einzelfall aus. Richtig gut ist dagegen die Akkuleistung. Bei uns hielt das Gerät bei normaler Nutzung fast vier Tage durch – fast doppelt so lang wie Flaggschiff-Modelle anderer Hersteller.

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Das Innenleben

Der Rest des Innenlebens entspricht gehobenem Smartphone-Standard. Als CPU kommt ein Qualcomm Dual-Core-Prozessor mit einer Taktrate von 1,5 GHz unterstützt von 2 GByte RAM zum Einsatz. Das Blackberry Q10 verfügt über 16 GByte internen Speicher, welcher über einen microSD-Kartenslot erweitert werden kann. Außerdem kommt das Blackberry Q10 mit einem HDMI-Ausgang und funkt neben allen üblichen Frequenzen auch im LTE-Netz.

Das Betriebssystem und seine Tücken

Einen Zwiespältigen Eindruck hinterlässt das Betriebssystem BB10. Es ist schön zu sehen, dass sich Blackberry viele Gedanken gemacht hat und nach einiger Eingewöhnung geht die Gestensteuerung in Fleisch und Blut über. BB10 ist ein deutlicher Schritt weg vom alten Blackberry-OS. Allerdings hinkt es Android oder iOS weit hinterher. Das fällt in erster Linie an der Anzahl und vor allen der Qualität der Apps auf. Spielen auf dem Blackberry Q10 ist eine Qual, da die meisten Games nur miese Kopien oder schlechte Portierungen ihrer Android- bzw. iOS-Originale sind. In vielen Fällen haben sich die Entwickler nicht einmal die Mühe gemacht die Inhalte an das kleine Display anzupassen, oft gibt es hässliche Verzerrungen. Von einer nativen Tastaturunterstützung ganz zu schweigen. FÜr App-Verwöhnte Android-, iOS- und auch WindowsPhone-Nutzer ist der Blackberry-Store ein Witz. Für mich persönlich ein Ausschlusskriterium: Es gibt für das Blackberry Q10 kein Spotify.

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Aber auch die Bedienung von BB10 scheint nicht zu 100 Prozent durchdacht. So ist zwar die Idee eines Nachrichten-Hubs sehr gut gelöst und tatsächlich laufen hier alle Mitteilungen aus E-Mail, Facebook, Kalender, WhatsApp und so weiter zusammen. Allerdings erscheint es manchmal etwas umständlich zu erreichen. Es gibt kein Notification-Center wie wir es von Android (und später von iOS) gewohnt sind von dem man aus mit einem Fingerzeig in die aktuellste Nachricht kommt.

Auch an anderer Stelle wirkt BB10 nicht konsequent durchdacht. So lagere ich meine Konakte sicher von Verlust (und der NSA gut zugänglich) in meinem Google-Konto. Nun kommt BB10 allerdings auch nach dem Hinzufügen meines Google-Kontos nicht auf die Idee, die Kontakte zu übernehmen. Nach einer kurzen Netzrecherche finde ich die Lösung zu dem Problem. Zwar leicht umzusetzen, aber ohne Anleitung auch nicht wirklich ersichtlich.

Weitere Irritierung gefällig? Die vorinstallierten Klingeltöne sind nicht jedermanns Geschmack. Zum Glück bietet Black Berry World hier jede Menge Abhilfe, die mir gar 89 Cent wert war. Runtergeladen, installiert und ab in die Klingelton-Optionen. Doch wo sind sie nun? Das Durchprobieren verschiedener Möglichkeiten führt leider zu keinem Ergebnis. Ich bin mir sicher, eine Google-Suche kann hier helfen. Aber ehrlich gesagt hatte mich da schon die Lust verlassen.

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Business vs. Consumer

Business-User, die auf solchen Schnickschnack keinen Wert legen, sind jedoch mit dem Blackberry Q10 bestens bedient. Denn als reines Kommunikations-Werkzeug schlägt sich das Q10 sehr gut. Hier kommen noch jede Menge Tasten-Shortcuts hinzu mit denen man zum Beispiel innerhalb einer Mail navigiert oder zur nächsten, beziehungsweise vorhergehenden Nachricht springt. Außerdem werden Administratoren das Blackberry Q10 dank seines Blackberry Balance Features lieben. Blackberry Balance sorgt dafür, dass im Smartphone zwei strikt voneinander getrennte Bereiche angelegt werden können: einen für das Geschäft, einen für das Private. So können im Privat-Modus beliebig Apps installiert oder via Facebook und Co. kommuniziert werden ohne eventuelle Firmengeheimnisse in Gefahr zu bringen.

gizrank 25 Sterne

Fazit

Das Blackberry Q10 ist für Business-User top, für Privatanwender dagegen flop. Denn wer Android- und Apple-Smartphones mit On-Screen-Tastatur kennt, wird mit dem Blackberry Q10 nicht glücklich werden. Das Display ist winzig, der App-Store vergleichsweise leer und das Betriebssystem BB10 limitiert. Business-User mit dem Wunsch nach einer echten Tastatur hingegen könnten das Q10 als effektives Kommunikations-Werkzeug für sich entdecken. Denn die Verarbeitung ist top, die Tastatur ein Traum, die Akkulaufzeit überdurchschnittlich und dank optionalem Blackberry Enterprise Server ist das Blackberry Q10 auch noch sehr sicher. Eigentlich müssten wir dem Blackberry Q10 zwei Gizrank-Wertungen geben. für Privatanwender einen Gizrank-Stern, für Business-Anwender vier Gizrank-Sterne. So treffen wir uns in der Mitte bei 2,5 von 5 Gizrank-Sternen.

Pro

Echte Tastatur
Sehr lange Akkulaufzeit
interessante Sicherheitsfeatures

Con

Sehr kleines Display
Kaum gute Apps
Unflexibles Betriebssystem

Spezifikationen Blackberry Q10

Größe (mm) – 119 x 66,8 x 10,35
Gewicht (g) – 139
Display – 720 x 720 Pixel
Speicher – 2 GByte RAM, 16 GByte Speicher, microSD-Kartenslot
Multimedia-Features – Kamera (8 Megapixel), Frontkamera (2 Megapixel) Mediaplayer
Schnittstellen – Bluetooth 4.0 Low Energy, Micro-USB, Micro-HDMI
Netze – Quadband mit LTE 3, 7, 8, 20 (1800/2600/900/800 MHz), Triband mit HSPA+ 1, 5/6, 8 (2100/850/900 MHz), Quadband mit EDGE (850/900/1800/1900 MHz)
WiFi – 802.11 a/b/g/n-fähig
Weitere Features – Tastatur, NFC
Akku-Kapazität – 2100 mAh
Preis (ohne Vertrag) – ab 490 Euro

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