TechnoViking bekommt vor Gericht Recht

Mehr als zehn Jahre nachdem es zur Aufnahme des später als solchen bekannten Memes des TechnoViking auf der Fuckparade 2000 kam, kam die erst 2009 angeklagte Persönlichkeitsrechtsverletzung des Darstellers im Mai diesen Jahres zu einem Urteil. Das Video zeigt einen tanzenden Teilnehmer des Umzugs, der seit 2006 unfreiwillig zum Internetstar TechnoViking wurde.

2013 erreichte das Video über 40 Millionen Aufrufe und 3.000 Videoantworten. Daraus entstanden Parodien, Mash-Ups, Remixes, usw. Selbst auf Merchandise-Produkten wie T-Shirts war der tanzende Technoliebhaber in kurzer Hose und Stiefeln zu sehen. Ursprünglich stammt das Video aus der Hand des Künstlers Matthias Fritsch,

Ende 2009 erhielt Fritsch vom Anwalt des dargestellten Tänzers eine Aufforderung, die Verbreitung des Films zustoppen. Nachdem sich Fritsch weigerte, klagte der TechnoViking vor dem Landgericht Berlin. Ihm zufolge war er nicht mit der Aufnahme und Distribution des Clips einverstanden. Die unfreiwillige Bekanntheit habe ihm sowohl privat als auch beruflich erhebliche Nachteile beschert, so etwa bei der Akquise von Kunden.

 

TechnoViking bekommt vor Landgericht Berlin Recht

Das Landgericht verurteilte Matthias Fritsch am 30. Mai 2013 dazu, die weitere Nutzung

Technoviking, via http://www.google.de/imgres?q=technoviking&um=1&sa=N&biw=944&bih=908&hl=de&tbm=isch&tbnid=b8HfEvT4LXFoWM:&imgrefurl=http://stoneyroads.com/technoviking-video-creator-risking-jail-sentence-over-the-original-footage/&docid=hZi_hRoLYyFCNM&imgurl=http://stoneyroads.com/media/pleases_technoviking-e1358495621277.jpeg&w=648&h=518&ei=2eTfUeHHMo744QTzmYHwBQ&zoom=1&iact=rc&dur=229&page=1&tbnh=140&tbnw=176&start=0&ndsp=25&ved=1t:429,r:4,s:0,i:100&tx=97&ty=88

des Videos sowie weiteren daraus entstandenem Bildmaterial zu unterlassen. Außerdem muss er dem namentlich unbekannten TechnoViking 10.600 Euro Einnahmen aus dem Clip sowie 1.400 Euro Anwaltskosten erstatten. Der Anspruch auf weitere Geldentschädigung vom Gericht abgewiesen. Der Kläger versuchte außerdem, die Verbreitung ihn darstellender Comicbilder untersagen zu lassen, woran er jedoch scheiterte.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass die Publikation des Videos das Recht des dargestellten Klägers am eigenen Bild verletzt habe. Grundsätzlich dürften Bildnisse einer Person nur mit deren Einwilligung verbreitet werden, die in diesem Fall nicht erteilt worden sei. Auch die Ausnahmetatbestände würden hier nicht greifen. Deshalb müsse der Kläger die Zurschaustellung seiner Person nicht hinnehmen, weswegen das Gericht es für gerechtfertigt hielt, dass Fritsch den Betrag in Höhe der Erlöse aus dem unerlaubten Merchandising- und Werbegeschäft erstatten müsse.

Weitere Geldentschädigungen in Höhe von 10.000, die der Kläger forderte, wies das Gericht ab. Sie sei unbegründet, da es dem Kläger hierbei nicht vorrangig um seine persönliche Beeinträchtigung ginge, sondern darum, aus der Mediatisierung seiner Person im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen.

 

Fritsch plant Dokumentation über TechnoViking

Einer Stellungnahme Matthias Fritschs gegenüber heise online zufolge sieht der Künstler “die Entscheidung als ersten Prozess, in dem die Grenzen von User-Reaktionen und freier Mem-Kultur mitverhandelt wurden. Die Entscheidung zeige, ‘dass wir im Recht einen veralteten Kunstbegriff haben und neue, legale Kategorien brauchen in einer Kultur, die sich extrem schnell wandelt und völlig neue Nutzergewohnheiten hervorbringt”.

In einem Dokumentarfilm über die Geschichte des TechnoVikings will Fritsch der Usergemeinde ermöglichen, “sich besser in einer Rechtslage zu orientieren, die sich noch lange nicht auf die aktuelle Netzkultur eingestellt hat”. Um den Film produzieren zu können, soll das Projekt über Crowdfunding finanziert werden. Zufällig benötigt er exakt 10.000 Euro dafür. Ob das nicht ein Versuch ist, dem aus dem Gerichtsurteil entstandenen Finanzloch ein bisschen Füllmasse zu verleihen?


[via heise]

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5 Antworten auf TechnoViking bekommt vor Gericht Recht

  1. spuddelduddel 12 Jul 2013, 15:20

    techno viking ist der beste. dank dem, hatte ich einen 15 minütigen lachflash und das ohne drogen. der typ rockt äh technod. :)

  2. Real 12 Jul 2013, 23:09

    So ein lächerlicher, alter, peinlicher Sack.

  3. qwert 13 Jul 2013, 12:34

    “sondern darum, aus der Mediatisierung seiner Person im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen.”

    …Urteilte ein Richter zum ersten mal in der Geschichte der Menschheit.

    wo ist dieser Richter, wenn sich Handyhersteller prügeln?

  4. Dennie D 13 Jul 2013, 22:53

    Wenn der Fritsch ein kluger Kopf wäre würde er den originalen Spasti ersetzen und einen super ähnlichen Double suchen der mit den Bildrechten einverstanden ist und einfach dann richtig Kohle scheffeln.

    Wenn der nach mehr als 5 Jahren plötzlich pipi in die Augen bekommt und rumpienzt na dann einfach ersetzen. Ich denke da gibt es genug Viking-Like Techno Fans die man übers Netz und eine Campagne suchen könnte.

    Der schießt sich selber ins Bein

    • Cystasy 14 Jul 2013, 4:10

      Du kannst nicht einfach Leute einfach so ersetzen.. der Witz an dem ganzen (und dem Hype) ist ja, das der Typ das auf der Parade von sich aus gemacht hat was man auf dem Video sah, und das es direkt zu diesem Event passiert ist, wenn man das jetzt einfach nur Nachstellt hat es den Hype & Reiz verloren (Es ist eben nicht Authentisch sondern nur Faked..) und ist uninteressant, ja sogar Penlich und ein Verzweifelter Versuch Geld zu scheffeln..
      Demnach – Nope, ist nicht so einfach wie du dir das Vorstellst.
      Du kannst ja auch nicht einfach Not Amused Cat durch nen Fake ersetzen und denken das die User dann darauf aufspringen.. höchstens du erzeugst nen neuen Hype mit etwas ähnlichem / neuem.. aber das is ja nicht das von dir angesprochene.