Volvo: Schwungrad im Auto soll Spritverbrauch um bis zu 25 Prozent senken

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Volvo will ein mechanisches System zur Bremsenergie-Rückgewinnung einsetzen, um den Spritverbrauch von Autos zu senken. 2012 wurde das System im Straßenverkehr getestet. Dabei konnten bis zu 80 Zusatz-PS abgerufen werden beim Beschleunigen. Und das alles wegen einer simplen Scheibe.

Die Volvo-Ingenieure haben das Schwungradsystem in ein Fahrzeug mit Turbo-Vierzylinder eingebaut und stellten fest, dass man damit den Kraftstoffverbrauch um bis zu 25 Prozent gegenüber einem vergleichbaren Sechszylinder-Turbomotor senken kann. Dieser auf den ersten Blick recht seltsame Vergleich ist darin begründet, dass das Schwungrad kurzzeitig 80 zusätzlichen PS bereitstellt, was Vierzylinder ebenso gut wie ein Sechszylinder beschleunigt.

Das Schwungrad-System KERS (Kinetic Energy Recovery System) sitzt auf der Hinterachse. Wenn man bremst, dreht das Schwungrad mit bis zu 60.000 Umdrehungen pro Minute. Wenn das Auto wieder beschleunigt wird die Schwungkraft über ein Getriebe an die Hinterräder wieder abgegeben und der Verbrennungsmotor abgeschaltet. In der Formel 1 hingegen wird ein elektrisches KERS-System eingesetzt, das einen Akku benötigt. Das ist bei Volvo nicht der Fall.

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Das System soll aufgrund der häufigen Beschleunigungs- und Bremsvorgänge natürlich seinen Vorteil besonders im Stadtverkehr ausspielen.

“Die Energie des Schwungrads treibt das Fahrzeug für kurze Zeit allein an. Dies hat maßgeblichen Einfluss auf den Kraftstoffverbrauch. Nach unseren Berechnungen wäre der Verbrennungsmotor im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) die Hälfte der Zeit abgeschaltet”, so Derek Crabb, Vice President Powertrain Engineering bei der Volvo Car Group.

Und Spaß macht die Technik offenbar auch noch. Der Volvo S60 beschleunigte damit in nur 5,5 Sekunden von null auf 100 km/h.

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Vollkommen neu ist die Schwungrad-Technik nicht. Volvo testete sie in den 1980er Jahren und andere Autohersteller probierten den Einsatz von Schwungrädern aus Stahl. Da diese Schwungräder jedoch recht groß und schwer waren und nur eine begrenzte Rotationskapazität besaßen, war ihr Einsatz keine praktikable Lösung.

Das Schwungrad, das Volvo jetzt im Alltagsbetrieb getestet hat, ist dagegen aus Carbon. Es wiegt lediglich rund sechs Kilogramm und hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern. Das Kohlefaser-Rad dreht sich außerdem in einem nahezu luftleeren Raum, was noch einmal die Reibung reduzieren soll.

Wann die Technik in Serie geht, ließ Crabb offen.

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