Neuartiger Reaktortyp verspricht Lösung des Atommüll-Problems

atomkraftwerk

Klar, in Deutschland ist der Atomausstieg Gott sei Dank beschlossene Sache. Auch Japan hatte mittlerweile ein Einsehen und nimmt Godzilla die Freiluft-Buffets weg. Dennoch bleibt ein recht großes Problem: Was machen wir mit dem strahlenden Atommüll? Die US-Firma Transatomic Power, ein Spin-Off des MIT gegründet von Wissenschaftlern der Nuklearabteilung, hat einen neuartigen Flüssigsalz-Reaktor entwickelt, der das Problem der Endlagerung von radioaktivem Müll weitgehend lösen soll.

Der Flüssigsalzreaktor an sich ist keine Neuentwicklung sondern basiert auf einem Design aus den 1960er Jahren, von dem es zwar einen erfolgreichen Prototypen gab, der aber nie kommerziell eingesetzt wurde. Der neue Reaktor allerdings, der bislang nur auf dem Papier existiert, soll nicht nur bis zu 20 Mal so effizient wie sein Urahn sein, sondern auch mit den verbrauchten Brennstäben von konventionellen Atomkraftwerken betrieben werden können.

Laut den Wissenschaftlern, die diese Technologie entwickelt haben, soll sie vor allem deutlich sicherer sein als konventionelle Druckwasserreaktoren. Letztere haben das Problem, dass sie ständig mit Wasser gekühlt werden müssen und dass bei einem Ausfall der Kühlsysteme sich wie zuletzt in Fukushima Wasserstoff bilden und so zur Explosion führen kann, bevor dann im schlimmsten Fall die Kernschmelze eintritt. Der Flüssigsalzreaktor nutzt, wie der Name schon sagt, nicht nur ein flüssiges Salz zur Kühlung, dessen Siedepunkt viel höher als die Betriebstemperatur des Brennstoffs ist, sondern der Brennstoff selbst ist Teil der Salzmischung, etwa als Urantetrafluorid UF4. Damit wird das Gemisch zu einer Art nuklearem Thermostat – heizt sich der Reaktor zu stark auf, so dehnt sich das Gemisch aus und die Spaltungsreaktion verlangsamt sich, wodurch automatisch die Temperatur wieder sinkt.

Ein weiteres Sicherheitssystem ist eine aktiv gekühlte Barriere am untersten Punkt des Kreislaufs: Wenn der Strom einmal ausfallen sollte, dann schmilzt diese Barriere und das radioaktive Salzgemisch fließt in einen Sicherungsbehälter, wo die Reaktion wegen der großflächigen Verteilung von selbst sofort unterkritisch wird und so stoppt. Die Salzmischung kühlt aus, erstarrt irgendwann und schließt die Spaltprodukte so ein.

Momentan arbeiten die Wissenschaftler fieberhaft daran, endlich einen Testreaktor mit dieser Technologie bauen zu dürfen. Man liegt dabei auch etwas im Wettstreit mit China, wo bereits ein solcher Reaktor mit kleiner Leistung entwickelt wird, der 2020 ans Netz gehen soll.

Wie denkt ihr darüber? Ist eine solche Technologie sinnvoll, um etwa den Atommüll gründlicher zu verwerten und so die Strahlungszeit des Abfalls von hunderttausenden von Jahren zumindest auf hunderte Jahre zu reduzieren oder sollte eurer Meinung nach sämtliche wissenschaftliche Arbeit an neuen Arten nuklearer Energiegewinnung eingestellt werden, weil es schlicht zu gefährlich ist? Wir sind gespannt auf eure Kommentare. [via Technology Review]

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  1. Ja, “Gott sei Dank”. Ich bezahle gerne die höchsten Strompreise der Welt. Die Welt lacht sich nicht ohne Grund über “uns” schlapp.

    1. Das die Welt sich schlapp lacht, sagt nur EON, RWE und der Springer Verlag (erkenne da nur DE drin wieder)… klar hackt man gerne auf der EE Förderung im Form des EEG rum weil das die erste transparente Förderung im Energiebereich ist. Wenn man schon wüsste was hunderte/tausende Jahre “Endlagerung” kosten und von Steuergeldern finanziert werden -oder wenns dann doch mal knallt zahlt doch auch der Steuerbeutel (siehe Japan/Ukraine), oder wieviel EU Geld in die Kohleförderung geflossen ist….

      1. Meine Reisen nach Amerika, Frankreich und Brasilien haben mir die rosa Brille abgenommen. Wer glaubt, dass Deutschland durch diese Kurzschlussreaktion international an Ansehen gewonnen hat, ist reichlich naiv. Die Kosten der Endlagerung habe ich eigentlich gar nicht angesprochen und das diese sich nicht gering halten werden steht außer Frage. Fraglich ist allerdings, ob es angemessen ist aufgrund dieser Problematik die langfristige Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland und damit auch die hohe (zukünftige) Lebensqualität unserer Kinder zu riskieren. Sich über die Kohleförderung zu echauffieren ist angesichts der völlig überzogenen Subventionen der “erneuerbaren Energien” zu Lasten der Verbraucher unangemessen. Zumal wir dank der Energiewende in Deutschland einen neuen Höchststand betreffend der Verwendung von Kohlekraftwerken, sowie der daraus resultierenden Umweltverschmutzung, haben. Natürlich ist Atomkraft nicht das non plus ultra und es gibt definitiv Probleme die angesprochen und auch noch gelöst werden müssen, allerdings können wir uns einen Ausstieg, wie er derzeit von statten geht, schlichtweg nicht leisten. Die Zeche bezahlen wir jetzt in Form von höheren Strompreisen, verglichen mit den mit der Energiewende verknüpften Nachteilen kommender Generationen ist das allerdings gar nichts. In Deutschland ist aufgrund der überwiegend linken Presse, dass muss man so sagen, leider die Fähigkeit verloren gegangen, eventuelle Risiken und sowie den Nutzen einer Sache rational ins Verhältnis setzen zu können. Unser Land besteht aus einem Haufen hysterischer BILD Leser, die glauben mit Elektroautos der Umwelt etwas gutes zu tun und mit der monatlichen UNICEF-Spende die Welt zu retten.

    2. Die Strompreise sind zur Atomstrom Zeit konsequent gestiegen… und das obwohl Milliardenschwer subventioniert. Atomstrom war nur für die Konzerne ein Segen die damit Milliardengewinne generiert haben. Die beiden größten Energieproduzenten schreiben schon wieder Gewinne trotz Ausstieg.

      1. Wenn man sich nur über die BILD informiert, könnte dieser Eindruck durchaus entstehen. Meine Reisen nach Amerika, Frankreich und Brasilien haben mir die rosa Brille abgenommen. Wer glaubt, dass Deutschland durch diese Kurzschlussreaktion international an Ansehen gewonnen hat, ist reichlich naiv. Die Kosten der Endlagerung habe ich eigentlich gar nicht angesprochen und das diese sich nicht gering halten werden steht außer Frage. Fraglich ist allerdings, ob es angemessen ist aufgrund dieser Problematik die langfristige Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Deutschland und damit auch die hohe (zukünftige) Lebensqualität unserer Kinder zu riskieren. Sich über die Kohleförderung zu echauffieren ist angesichts der völlig überzogenen Subventionen der “erneuerbaren Energien” zu Lasten der Verbraucher unangemessen. Zumal wir dank der Energiewende in Deutschland einen neuen Höchststand betreffend der Verwendung von Kohlekraftwerken, sowie der daraus resultierenden Umweltverschmutzung, haben. Natürlich ist Atomkraft nicht das non plus ultra und es gibt definitiv Probleme die angesprochen und auch noch gelöst werden müssen, allerdings können wir uns einen Ausstieg, wie er derzeit von statten geht, schlichtweg nicht leisten. Die Zeche bezahlen wir jetzt in Form von höheren Strompreisen, verglichen mit den mit der Energiewende verknüpften Nachteilen kommender Generationen ist das allerdings gar nichts. In Deutschland ist aufgrund der überwiegend linken Presse, dass muss man so sagen, leider die Fähigkeit verloren gegangen, eventuelle Risiken und sowie den Nutzen einer Sache rational ins Verhältnis setzen zu können. Unser Land besteht aus einem Haufen hysterischer BILD Leser, die glauben mit Elektroautos der Umwelt etwas gutes zu tun und mit der monatlichen UNICEF-Spende die Welt zu retten.

    1. hier ist bestimmt der ur-ahn gemeint. den trifft mann doch häufiger in neuartigen reaktortypen…
      also der urgrossvater könnte dort heimisch werden…

  2. Das klingt auf jeden Fall gut.
    Da es ja nun genügend Atomabfall gibt, ist so eine Lösung definitiv besser, als die bisherigen Lösungen. Dennoch muß es beim Atomausstieg bleiben. Das ist Gift. Die Forschung muß noch stärker vorangetrieben werden.

    Das Stichwort Strompreis, welches zuvor genannt wurde, ist schlicht und einfach falsch: Wir bezahlen alles. Die Endlagerung kostet auch.

  3. Ich sehe weder bei der konventionellen Energiegewinnung aus Druck- und Siedewasserreaktoren, noch mit Flüssigsalzreaktoren, ein Problem und denke, dass Letztere eine durchaus brauchbare Ergänzung darstellen um die Energieprobleme der Welt nachhaltig zu lösen. Deutschlands Einstellung zur Atomtechnik ist von völligem Unwissen geprägt.

  4. Mit welchen Mitteln die Industrie immer wieder an alte Techniken klammert, nur um höchsten Profit herauszuschlagen… Aber wen wunderst…

  5. Zum Thema “Japan [...] nimmt Godzilla die Freiluft-Buffets weg”:
    Wenn ich mich richtig erinnere, hat die japanische Regierung erst vor kurzem die Wiederinbetriebnahme eines AKW’s beschlossen…

    Sollte der oben beschriebene Reaktor wirklich so funktionieren, wäre das sicher ein guter Weg sich um die alten Brennstäbe zu “kümmern”. Außerdem könnte man die Technik dann vielleicht auch mit weniger Bedenken an Entwicklungsländer liefern, da man aus alten Brennstäben (soweit ich weiß) ja so gut wie kein spaltbares Material für Kernwaffen veredeln kann.

  6. Als Stichwort sei hier mal nur der Brennwellenreaktor genannt. Auch ein kleiner Schritt Richtung Atommüll Entsorgung. Gab da sogar mal neun funktionierenden Reaktor in Deutschland. Ihm war leider ein ähnlicher Erfolg wie dem Transrapid vergönnt. Ein Hoch auf die deutsche Politik die immer wieder mit intelligenten Entscheidungen die Welt beglückt. Fakt ist das diese Lösungsansätze alles alte Hüte sind und entscheidenden Entwicklungen wurden bereits in der sechzigern und siebziegern gemacht wurden.

    1. Du meinst den sogenannten Laufwellenreaktor :)
      Ich finde es ist eine konsequente Entscheidung die Atomtechnik weiter zu entwickeln, denn solange die Alternativen noch nicht ausgereift genug sind oder eine hohe Verbreitung haben, lohnt sich imho der Atomstrom noch, vor allem wenn in solche Reaktortypen, die nahezu ungefährlich sind investiert wird

  7. Unter Wikipedia-Stichwort LFTR findet man Details mit Belegen zum Flüssigsalzreaktor. Sieht eher danach aus, als ob eine längst abgehakte Geschichte neu aufgewärmt wird. Erfolgreich war der Prototyp MSRE offenbar auch nicht sonderlich, er war nur 2 Jahre kritisch, und grosse Teile des Spaltstoffs fand man später im Abluftfilter wieder. Das geplante Nachfolgeprojekt wurde damals auch nicht bewilligt. Problematisch scheint insbesondere zu sein, dass dieser Reaktortyp besonders leicht zur Herstellung von atomwaffenfähigem Material benutzt werden kann.

  8. also ich finde es nicht schlecht alte ideen wieder aufzugreifen und eventuell durch neue erkäntnisse zu etwas brauchbaren weiterzuentwickeln….. ich bin für den atom ausstieg auch wenn ich das etwas realistischer betrachte als wie unsere regierung, aber fakt ist das einige länder auf der welt erst jetzt anfangen AKW’s und ein ordentliches stromnetz zubauen und diese länder kümmern sich nen scheiß um atom ausstieg…. und wenn man diesen ländern jetzt eine gute alternative zeigt, ist das doch schon ein weg in die richtige richtung….
    ambesten wäre es natürlich wenn man mit vergleichsmässig geringen aufwand normale AKW’s zu FlüssigsalzKW’s ausbauen könnte…… so müsste nix neues gebaut werden und vorhandenes könnte sinnvoll weitergenutzt werden

  9. Die erhöhten Strompreise haben nicht direkt was mit der energiewende zu tun, die Stromkonzerne heben nur die Preise an um uns davon zu überzeugen das die Energiewende viel Geld kostet und wir dann doch wieder zur Atomenergie zurück wollen, damit die Energieriesen dann wieder größere gewinne abschöpfen können.
    EON hat zum beispiel 2012 seinen gewinn im gegensatz zum Vorjahr verdreifacht. Aber den Energiekonzernen geht es ja so schlecht.

    Ich bin außerdem der Meinung es sollte viel mehr in Richtung der Kernfusion geforscht werden. Wenn wir diese Energie nutzen könnten wären unsere Energieprobleme endgültig gelöst.

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