Test: Motobicycles Urban Cycling Pedal – Ein teurer Spaß

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Das Gute ist manchmal teuer, das wussten schon die alten Römer, auch wenn die noch keine Fahrräder hatten. Und wovon wir hier reden, das sind Fahrradpedale. Richtig teure. Aber, so viel sei verraten: nicht ohne Grund teure.

Pedale sind eines von drei Teilen des Fahrrads, mit denen der Fahrer ständig in Kontakt ist. Die anderen beiden? Sattel und Lenker natürlich. Am häufigsten macht der Hintern Ärger, weshalb es in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Innovationen bei Sätteln gab, inklusive Aussparungen im Dammbereich, Beckenvermessung und einer Renaissance des Kernledersattels. Aber auch Griffe sind nicht mehr einfach möglichst weich. Speziell geformte Produkte etwa von Ergon und Biogrips helfen, taube Finger unterwegs und Dauerschäden zu vermeiden.

Am wenigsten passierte all die Jahre bei Pedalen. Da gibt es Standardpedale, Plattformpedale und diverse Systeme für Klickpedale, die alle ihre Anhänger finden. Die kleine Firma Motobicycles aus Berlin glaubt aber, es sei Zeit für eine Pedalrevolution.

Flach, aber grob

Ihr Pedal zum Preis von rund 200 Euro das Paar ist flach. Das soll eine effiziente Kraftübertragung gewährleisten. Klingt einleuchtend, deshalb haben ja Radschuhe besonders feste Sohlen, die sich kaum biegen – was beim Gehen etwas stört. Das Moto-Pedal hat aber auch keine Zacken, keine Metallstifte, nichts, was nach 150 Kilometern für eine erste Druckstelle sorgen könnte. Nur eine Art aufgeklebtes Sandpapier.

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Dem Hersteller zufolge handelt es sich um ein ähnliches Material wie auf den Stufen von Büro- und Flughafentreppen, allerdings etwas gröber, was für längere Haltbarkeit sorge. Es liegt ein Komplettset (vier Stück, je zwei pro Seite) in Reserve bei. Da ein Aufkleber laut Moto 10.000 bis 15.000 km hält, sind 20.000 bis 30.000 km ohne Nachkaufen drin. Das konnte Gizmodo leider nicht testen …

Und der Pedalkörper, ja, der ist aus Holz. Ein Hingucker, auch wenn sich vielleicht der eine oder andere erst daran gewöhnen muss. Unter dem Holz verbirgt sich ein stabiles Metallgerüst, und das gilt natürlich auch für die Achse.

Bei der Montage die erste Verwunderung: Der klassische 15-Millimeter-Schlüssel, nicht ganz zufällig auch als Pedalschlüssel bezeichnet, hat ausgedient. Montiert wird ausschließlich per Inbus – und wer den von Shimano und anderen Herstellern gewohnten 6-Millimeter-Schlüssel aus der Werkzeugkiste packt, wird sich wundern. Für Moto-Pedale braucht’s einen 8-Millimeter-Inbus. Ich jedenfalls musste deshalb erst mal zum Baumarkt. Wer in der Werkstatt montieren lässt oder zu Hause besser ausgerüstet ist, hat das Problem zugegebenermaßen nicht.

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Nix rutscht – außer bei Matsch

Erste Probefahrt mit Moonboots, es herrscht Tauwetter, knapp über null Grad: Da rutscht nix. Die Schuhe liegen sauber auf, kein Hin und Her, der einmal gefundene Druckpunkt bleibt erhalten. Ich fühle mich wie auf Klickpedalen, wie von selbst wollen die Füße auch nach oben ziehen – und das klappt dann doch nicht. Aber dafür kann das Pedal nichts.

Zweite Probefahrt, eine 80-km-Tour, weiter Tauwetter: Ja, die Pedale sind gut. Auch wenn ich einmal abrutsche. Das kam so: Bei einer kurzen Rast der Gruppe stand ich mit dem rechten Fuß auf Schneematsch. Und das Zeug mögen die Oberflächen gar nicht, das hat mir hinterher auch der Hersteller erklärt. Regen und Nässe dagegen sei kein Problem. Echtes Berliner Schmuddelwetter halt.

Im Münchner Umland dagegen gab es neben der Fahrbahn Matsch. Der haftete an der Stiefelsohle. Beim Weiterfahren fand der rechte Fuß keinen Halt mehr.

Die Pedale sind gut, aber sind sie entschieden besser als andere? Ich wechsle zurück auf die Plattformpedale mit ihren Metallpins, die ich im Winter normalerweise fahre. Stimmt schon, ich muss erst in Position rutschen. Schuhprofil und Pedalstifte müssen sich erst finden. Und ich kann mir auch vorstellen, dass bei deutlich zweistelligen Kilometerzahlen die ungleiche Druckbelastung durch die Stifte für Probleme sorgen kann. Aber so lange Strecken fahre ich im Winter nicht.

Für mich persönlich lösen die Moto-Pedale ein Problem, das ich nicht habe. Im Winter, wenn ich mit Straßenschuhen fahre, liegt (oder schlimmer: fällt) rund um München Schnee und Matsch, da kann ich sie nicht gebrauchen. Und im Sommer fahre ich meistens mit Klickies. Im Vergleich zu Sattel oder Lenker erscheinen mir Pedale relativ unproblematisch.

gizrank 20 Sterne

Zielgruppe mit Zaster

Für wen sind die Pedale von Motocycles also? Natürlich für jemanden, der keinesfalls vom Pedal rutschen und sich das Schienbein beschädigen möchte. Der aber keine Radschuhe tragen kann, sondern Schuhe mit Ledersohle oder gar mit Absatz, weil er vielleicht ins Büro oder in die Oper unterwegs ist. Der aber trotzdem lieber mit dem Rad als mit dem Auto oder Bus fährt – weils in der Innenstadt schneller ist, gesünder und mehr Spaß macht. Zu knapp bei Kasse darf man ohnehin nicht sein, das ist klar.

Wir anderen, die nicht zu dieser Zielgruppe zählen, dürfen uns aber ebenfalls freuen: Da macht sich jemand Gedanken um die Zukunft des Fahrrads. Da gibt es einen völlig neuen Ansatz für eine vielleicht etwas vernachlässigte Komponente. Gute Sache, wie die alten Römer sagten. Wir werden das weiter beobachten.

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[Bilder: Sebastian Mölder]

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