Test: Die kleine Moonshiner-Destille für daheim

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Habt ihr nicht auch schon mal daran gedacht, als Partygag oder auch einfach nur für euch selbst mal euren Weingeist herzustellen? Oder auch einfach mal die alten Zeiten der amerikanischen Prohibition aufleben zu lassen und sich einfach wie Al Capone zu fühlen? Geht alles, und zwar mit dieser Moonshiner-Destille.

Zunächst sei dazu gesagt: Das Herstellen von alkoholischen Getränken, besonders hochprozentigen, ist in Deutschland mit strengen Auflagen verbunden und lizenz- und meldepflichtig. Aber keine Sorge, das gilt so nicht für kleine Destillen bis 0,5 Liter, zu der auch diese Moonshiner-Destille zählt. Der Name rührt übrigens tatsächlich aus der Zeit der amerikanischen Prohibition. Seinerzeit waren Herstellung und Vertrieb von Alkohol streng verboten, der Verzehr allerdings erlaubt. Daher haben viele Schwarzbrenner damals die Nacht zum Tag gemacht, indem sie etwa in Wäldern außerhalb der Städte bei Mondschein Alkohol hergestellt haben, der bevorzugt in Marmeladengläsern getarnt dann in die Speakeasies der Städte geschmuggelt wurden.

Design und Verarbeitung

Eine solche Anlage im Kleinformat gibt es jetzt zu kaufen und wurde mir zum Testen freundlicherweise von den Jungs vom Pineyard-Shop überlassen. Zunächst mal zum Design: Die Destille ist auf ein auf einem Holzbrett montierten, schmiedeeisernen Gestell aufgesetzt und besteht zum größten Teil aus blanken Kupferblechen und -rohren. Insgesamt macht das Ganze einen hochwertigen und sehr vornehmen Eindruck.

Benutzung

Zudem ist der ganze Prozess gar nicht mal so kompliziert: Der Brenner unter dem kleinen Kessel wird mit Spiritus befüllt und angezündet. Das Ausgangsmaterial, in unserem Test ein an sich schon recht leckerer Weißwein, wird in den Kessel gefüllt, das Oberteil aufgesetzt und das Geistrohr mit dem mit kaltem Wasser gefüllten Kühler verbunden. Dann heißt es allerdings erstmal etwas warten, bis der Wein auf etwa 90 Grad erhitzt wurde. Der Trick besteht dann darin, die Anlage bei ca. 92 Grad zu halten, damit der Alkohol zwar aus dem Wein dampft, das Wasser aber zurückbleibt. Nach einigen Minuten tröpfelt dann der Weingeist aus dem Kühlrohr. Die ersten Tropfen fängt man auf und schüttet sie weg, da hier ggf. giftiger Methylalkohol enthalten sein kann. Danach tröpfelt das Ganze munter vor sich hin und am Ende hat man gut zwei, drei Schnapsgläser voller wohlschmeckendem, wirklich(!) hochprozentigem Weingeist.

Langzeitspaß

Ich muss sagen, die Verwendung dieser Destille macht durchaus Spaß und ist auch ein interessanter Partygag, allerdings befürchte ich, dass sie zumindest bei mir recht schnell zum Dekoobjekt auf einem Regal verkommen könnte, das kann allerdings auch daran liegen, dass ich mit Hochprozentigem generell nicht so wirklich viel anfangen kann. Allerdings lässt sich damit wie gesagt nicht nur Weingeist herstellen, sondern grundsätzlich so ziemlich alles, was destilliert werden muss, sogar ätherische Öle. Wer sich dafür interessiert, kann das passende Buch „Destillatio“ gleich dazubestellen.

Fazit

das edle Design allein schon macht diese doch angenehm kompakte Anlage echt zu einem Hingucker. Die Verwendung an sich ist einfacher, als man beim ersten Blick auf die Anlage glauben mag, auch wenn es durchaus etwas lang dauert, bis man das gewünschte Produkt in den Händen hält – Im Test dauerte der Vorgang fast eine halbe Stunde für eine recht kleine Menge Weingeist. Was den Langzeitspaß angeht, so muss das wohl jeder für sich selbst herausfinden, es kann ein einmaliger Partygag genauso wie eine ernstzunehmendes Hobbyobjekt werden – und das sogar mal ohne Strom, wer hätte das gedacht?

Das macht unterm Strich einen Gizrank von 4 Sternen. Empfehlenswert also. [Pineyard]

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  1. Ach wie sorglos hier rangegangen wird. Das hier bei auch Methanol entsteht und dieses giftig ist, sollte man eigentlich wissen. Um das halbwegs sicher handhaben zu können, müsste man im Dampf ein Thermometer platzieren, das fehlt hier eindeutig. Also viel Spass für alle die am nächsten Tag vielleicht nicht nur mit Kopfschmerzen aufwachen wollen, sondern auch noch blind werden wollen….

  2. Gabs hier nicht ein Gesetz das es verbietet Alkohol zu destilieren und derjenige der es macht bekommt sehr viel ärger gesetzlich (sogar knast möglich) ? Hatte das mal gehört letztens in ner Dokumentation wo erwähnt wurde das dort Giftige Stoffe entstehen die man nicht leicht rausbekommen kann und man daran sogar verrecken kann.. also wirklich viel spaß für alle die das ausprobiere wollen.. *facepalm*

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  3. 500ml darf man privat brennen. Aber die produzierten Giftstoffe dürfen nicht unterschätzt werden. Also Finger weg von dem Ding – das geht ins Auge. Wortwörtlich.

  4. Es entsteht beim destillieren kein Methanol, das war vorher schon drin. Es wird durch den Destillationsprozess allerdings konzentriert. Daher trennt man die ersten Tropfen ab und geisst diese weg. Steht in jeder Beschreibung drin.
    Die Gefahr eines hohen Methanol Anteils ist bei Alkohol aus Kartoffeln deutlich höhrer als bei Wein oder Bier.
    Da diese kleinen Destillen nur zum Destillieren von fertigem Alkohol (z.B. Wein) und nicht zum destillieren von Maische geeignet ist kann von der Gefahr einer Methanol Vergiftung keine Rede sein. Im Gegenteil, der Methanol Anteil bei einem eigenen Weinbrand dürfte geringer sein als bei einer billigen Flasche Vodka.

    1. Werner, du hast natürlich recht, je nach Zeug, das man nutzt, ist die Gefahr zu vernachlässigen. Diese Destille wird jedoch vom Anbieter auch zum Destillieren von Maische beworben “…Probedestillationen von eigener Maische…”. Und wenn man da die Temperatur des Dampfes nicht richtig im Griff hat, wäre ich vorsichtig, ob es wirklich immer ausreicht einfach nur “die ersten Tropfen” wegzukippen.

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