Duct-Tape: Wie Panzertape die Welt zusammen hält

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Duct Tape oder Panzerband, wie es hier genannt wird, löst fast jedes Problem. Beschädigte Stoßstangen, zerbrochene Mülleimer und zahlreiche andere zerbröselte Haushaltsgegenstände lassen sich damit provisorisch flicken. Aber wie wurde dieses Klebeband entwickelt? Unsere Geschichte verrät es euch.

Panzerklebeband ist schon sehr alt. Wie sein Name es vermuten lässt, hat es einen militärischen Ursprung, allerdings nicht bei der Panzertruppe. Richard Drew, ein 3M Ingenieur in den USA hat das Klebeband erfunden. Während er 1923 3Ms neues Schleifpapier “Wetordry” in einer Autowerkstatt testete, erkannte er, dass die Lackierer ein massives Problem hatten, die damals sehr beliebte mehrfarbige Lackierung aufzutragen und eine gerade Linie als Übergang zu erzielen. Seine Lösung hieß Scotch Brand Cellulose Tape – das erste selbstklebende Maskierungsband. Es wurde fünf Jahre später auf den Markt gebracht und sorgte dafür, dass 3M in vielen Privathaushalten überhaupt erst bekannt wurde.

Der Krieg ist der Vater vieler Dinge

Spulen wir nun schnell in die 40er Jahre, als sich die halbe Welt bekriegte. In den USA entwickelte und perfektionierte die Abteilung Permacell der US-Firma Johnson and Johnson ein Klebeband für das Militär, mit dem Munitionskisten beim Transport gegen Feuchtigkeit abgedichtet werden sollten. Die Forscher von Permacell fanden einen Weg, ein engmaschiges Segeltuch (englisch Duck Cloth) zwischen die Polyethylenrückseite und den auf Kautschuk basierenden Haftstoff des Klebebandes zu bringen. Dadurch entstand ein starkes, haltbares Band, das wasserabweisend war wie ein Enten-Federkleid. Dadurch wurde das Klebeband auch Duck Tape genannt.

Die US-Soldaten entdeckten schnell Anwendungsmöglichkeiten für das vielseitig einsetzbare Band, jenseits seines ursprünglichen Einsatzzwecks. Die klebten das Duck Tape auf Zelte, Jeeps und reparierten damit alle möglichen Schäden. Die Air Force verwendete das Material sogar an Flugzeugen, um den an manchen Waffengondeln ungünstigen Luftwiderstand beim Start zu reduzieren. Zum Ende des Krieges hatten die Hersteller das Army-Grün des Bandes gegen die heute bekannte silbrige Oberfläche ausgetauscht und vermarkteten das Band als Reparatur-Kit für Lüftungsrohre von Heizungen. So wurde aus dem Duck Tape der heute gebräuchliche Begriff Duct Tape. Duct bezeichnet im Englischen ein (Heizungs-)Rohr. Mit der silberigen Farbe fiel die Reparatur weniger auf.

Auch heute noch wird das Duct Tape (Panzerband) praktisch genau so hergestellt wie das Ursprungsprodukt von Permacell. Ein Baumwoll-Gewebe stellt den Kern da, der dafür sorgt, dass das Band auch bei starker Zugbelastung hält. Außerdem lässt sich das Band so sehr leicht abreißen. Ein engermaschiges Gewebe sorgt für größere Zugfestigkeit, weshalb es mittlerweile unterschiedliche Stärken des Klebebandes gibt. Militärisches Panzerband hat eine Zugfestigkeit von ungefähr 18 Kg – während ziviles Band oft nur auf die Hälfte kommt. Das äußere Polyethylen des Bandes sorgt dafür, dass das Gewebe geschützt wird – sowohl vor Feuchtigkeit als auch vor Abrieb. Es ermöglicht dem Band jedoch trotzdem, sich an unregelmäßige Oberflächen anzupassen. Der Haftklebstoff basiert auf natürlichem Kautschuk.

Bei der Herstellung werden große Kautschukblöcke zerbröselt und mit einem Kunststoffharz vermengt, das für die Viskosität sorgt, die natürlichem Gummi fehlt. DIe Durchmischung erfolgt in einem Banbury Mixer. Darin bewegen sich spiralförmige Klingen, die dafür sorgen, dass die Mischung ungefähr die Konsistenz von Pizzateig erhält. Diese Rohmasse kommt in einen Knetautomaten (Sigma Kneader), der sie erhitzt und durchwalkt. Danach wird in die Beschichtungsmaschine parallel Polyethylenfolie und das Baumwoll-Gewebe eingeführt. Der fertige Haftklebstoff wird mit dem Gewebe auf die Folie aufgetragen. Danach wird das Produkt aufgewickelt, geschnitten und verpackt.

Das Haftprinzip von Panzertape basiert auf einem recht komplexen physikalischen Phänomen, den sogenannten Van-der-Waals-Kräften. Auch Geckos setzten diese Kräfte ein. Dabei wird kein Saugnapf verwendet – und eine chemische Bindung gehen die Oberflächen auch nicht ein, weshalb sich das Panzertape auch wieder lösen lässt.

“Andere Haftmittel wie Klebstoffe und Epoxy-Harze sind flüssig wenn man sie aufträgt aber reagieren chemisch und härten aus”, so Costantino Creton, ein Materialforscher an der School of Industrial Physics & Chemistry in Paris. “Pressure Sensitive Adhesive – oder PSAs zeigen keine chemischen Reaktionen. Sie ändern sich überhaupt nicht. Sie sind in einem festen Zustand wenn sie aufgetragen werden und bleiben es auch.”

Die Bundeswehr spielt auch mit

Der Name Panzerband stammt von der Bundeswehr. Wie er entstanden ist, bleibt allerdings im Unklaren. Man kann zwar aus verzwirbelten Tape ein Abschleppseil basteln, dass durchaus zum Abschleppen von einem Schützenpanzer geeignet ist, aber ob daher die Bezeichnung stammt ist nicht überliefert.

Und nun seid ihr dran: Was habt ihr schon mit Panzertape repariert? Was war die krasseste Reparatur, die ihr mit diesem Textilklebeband erfolgreich durchgeführt habt? Schreibt es einfach in die Kommentare. Ich habe gerade den Unterboden eines Auto provisorisch repariert. [Andrew Tarantola / Andreas Donath]

[Via Made HowDuck Brand Duct TapeeHowACSWikipedia – Bild: Ronald Sumners / Shutterstock]

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