Warten auf das iPhone 5: Die Nacht vor dem Apple-Store

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Am Abend bevor ein neues Apple-Device in den Verkauf startet, pilgern die Fans des kalifornischen Unternehmens zu den firmeneigenen Stores, um sich vor den Türen die Nacht um die Ohren zu schlagen. Meist ist es kalt, oft regnet es. Die Hoffnung: Als einer der ersten ein neues Gerät ihr Eigen nennen zu können. Auch beim Verkaufsstart des iPhone 5 hat sich die Fußgängerzone am Münchner Marienplatz wieder mit Apple-Jüngern gefüllt. Wir haben uns diesmal dazu gesellt.

In der Münchner Innenstadt rund um den Marienplatz trifft man vergangenen Donnerstag um Mitternacht nur vereinzelt auf Passanten. Nur vor dem Apple-Store, wenige Meter von der U-Bahn entfernt ist eine Menschentraube. Einige hundert Apple-Fans haben dort, versorgt mit Getränken, Klappstühlen und iDevices, ihr Lager aufgeschlagen. Es sind noch gut acht Stunden hin, bis der Store seine Türen öffnet und das iPhone 5 seine ersten Käufer findet. Der erste Camper ist schon Mittwoch, also zwei Tage vor Verkaufsstart, vor dem Geschäft eingetroffen. Wie die meisten Apple-Pilger ist er gut gegen die Kälte gerüstet. Decken, dicke Jacken und Schlafsäcke, sogar ein Zelt hat sich einer der Wartenden vor dem Store aufgestellt. Ein netter Schutz gegen die Temperatur, die sich um die sechs Grad bewegt.

Der erste in der Schlange, Ralph Barth, ist bei meinem Eintreffen gar nicht auf seinem Platz. „Ist mal schnell zu Mc Donalds oder so.“, wird mir mitgeteilt. Schade. Sein Platz wird in der Zwischenzeit trotzdem warm gehalten. Der Vierte in der Schlange ist aufgerückt. Nicht um Ralph seinen Platz streitig zu machen, sondern um ihn zu sichern. Gedrängelt wird bei Apple nicht. Ist auch besser so, man weiß ja nie, wer das mitbekommt. Laut der umstehenden Security wird der Platz sowieso videoüberwacht: Big Apple is watching you. Die Camper stört es nicht. Angestarrt zu werden, ist Teil des Events. Passanten kommen vorbei, fotografieren die Sitzenden, bleiben auf einen kurzen Plausch oder glotzen einfach ungläubig. Manche machen Witze über die Wartenden. Die Apple-Fans nehmen es gelassen. „Mir ist das egal“ erklärt Marco, der sich in einen dicken Anorak gepackt hat und sich mit seinen Freunden ein Bier gönnt: „Die meisten sind ganz nett, stellen halt Fragen und so. Das gehört dazu.“ Marco muss es wissen, er ist bereits zum fünften Mal beim Apple-Camping. Um drei Uhr Nachts kommt ein Passant vorbei, der nicht nur neugierig ist: „Hab ihr nichts Besseres zu tun?“ brüllt der junge Mann sichtlich empört, während er angetrunken in Richtung U-Bahn torkelt. „Nein, und du?“ schreit ein Camper zurück. „Mir ist es egal, was die Leute denken. Ich hab hinterher ein iPhone – die nicht.“ meint Marco und rutscht sich seinen Schlafsack zurecht.

Morgen als einer der ersten ein iPhone 5 in der Hand zu halten, ist für viele der Camper allerdings nicht der Hauptzweck. In dieser Nacht rockt der Kommerz. Es werden Werbe-Goodies und Flyer verteilt. Wer vorne steht, bekommt auch Angebote. 500 Euro will ein iPhone-5-gierender dem zweiten vor dem Store geben, wenn der ihm ein Gerät mitbringt. Gekauft. Der geschätzt Hundertfünfzigte in der Schlange tritt seinen Platz sogar gegen Bares ab: 50 Euro will der gute Mann, damit sich ein anderer den Rest der Nacht anstellen kann. Das klappt gut: Nach nur fünf Minuten steht ein Apple-Fan mehr in der Reihe – und der Verkäufer macht sich – um 50 Euro reicher – auf ins Bett. Auch Ralph, der den ersten Platz ergattern konnte, geht es primär um Publicity. Er hat Decken verteilt – rund 100 Stück mit Logo drauf. Ich habe auch eine bekommen. Gegen vier Uhr morgens bin ich dankbar dafür. In der Früh sollen noch mehr kommen. „Mir geht es vor allem darum, Werbung für meine Firma zu machen.“ stellt er klar. Ein iPhone 5 will er trotzdem kaufen, nach dem Medienhype.

An wahren Apple-Jüngern fehlt es trotzdem nicht. Um kurz nach vier mache ich mich auf die Socken, um eine Erklärung zu finden, dafür, warum wir die Nacht nicht in unseren Betten verbringen. Es sind nicht nur Deutsche, die die Nacht in der Kälte vorziehen. Man ist angereist aus Österreich, der Schweiz, Italien und Polen. Auch drei Ungarn campieren in München. Das monatliche Durchschnittseinkommen in Ungarn liegt nach ihrer Schätzung derzeit bei 100.000 Forint, das iPhone 5 kostet fast das Doppelte. Die Männer sind auch Journalisten, sie wollen sich ein Gerät zu dritt kaufen. Warum? „Es ist halt einfach das neue iPhone“ – das ein Grund, den ich in dieser Nacht oft höre – und nicht ohne weitere Begründung akzeptieren will: „Es ist eben von Apple. Es ist perfekt und so.“ meint Steffie, die sich gleich nach der Uni aufgemacht hat, um sich anzustellen. „Und das Design ist klasse“, meint ihre Freundin, die sich gleich zwei kaufen will – eines für sich und eines für ihren Freund. Das Design wird generell gelobt. Kalt, Metall, schwarz – das ist es was der Apple-Jünger schätzt. Funktionen sind dabei gar nicht so wichtig. Kein NFC? Braucht man eh nicht, man kommt gut ohne aus. Apple, entscheidet, was der User braucht. Für Hendrik ist sowieso primär das System wichtig: „Das passt halt einfach perfekt zusammen. Ich habe ein iPhone, iPad und einen Mac, ich kann alles in der iCloud speichern und immer drauf zugreifen.“ Sollte ein iPad mini herauskommen, wird Hendrik sich das auch kaufen – notfalls auch ungesehen: „Ich brauch einfach noch was für unterwegs. Ein Samsung-Teil kommt dafür nicht in Frage.“

Inzwischen ist es hell geworden, Passanten und Journalisten versammeln sich auf der Straße. Auch die Apple-Mitarbeiter sind da, sorgen für Ruhe, verbreiten Freude. Im Inneren des Stores ist es warm und gemütlich. Die Geräte stehen sauber und glänzend in Reih und Glied. Nach den Stunden in Kälte und Dunkelheit erscheint einem der Store tatsächlich wie das gelobte Land. Der beleuchtete Apfel über unseren Köpfen als heilbringender Stern. Ralph darf als erster die Kathedrale betreten und unter dem tosenden Applaus das iPhone 5 ins Blitzlichtgewitter halten. Er lächelt, ist etwas nervös. Heute Nacht war er ruhig, eher schüchtern. Bald wird er Interviews geben. Einige Wochen lang darf er sich nun rühmen, es geschafft zu haben, der Erste gewesen zu sein. Zumindest, bis ein neues Device in den Startlöchern steht – dann geht das ganze Spiel von Neuem los.

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Wer das neue iPhone 5 sofort nach Verkaufsstart in Händen halten möchte, schlägt sich vor dem Apple-Store die Nacht um die Uhren.

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  1. das ist so peinlich wie:

    *mit 80 ein arschgeweih zu haben, weil man 1995 das total “cool” fand
    *mit 80 die nette omi zu sein, obwohl man mit 20 in 10 hardcorepornos mitgemacht hatte
    *sein ganz leben im ausland war, aber immer nur das innere der ferienanlage gesehen hat

    usw usw

  2. Nö. Ist mir mein Schlaf zu wichtig. Aber es hat mittlerweile echt was “gesellschaftliches” (über Sesellschaftsfähigkeit muss man sich dann wieder mit Leuten wie Dir streiten), das kann ich nachvollziehen. Genauso wie ich Tattoos, Piercings, Hardcoreporno-Casting (okay, das wär mir im Nachhinein wohl auch peinlich) nicht als “blöde Sache” grundsätzlich darstellen würde. Das tun nur Leute mit nem Stock im Hintern. Alle anderen machen halt mal was außergewöhnliches.

  3. Es wundert mich immer wieder wie blöd Menschen sein können. Nein, jetzt mal ganz ehrlich…
    Also ich habe nichts gegen Apple oder so ähnlich. Die bauen ganz gute Geräte usw. Aber Stunden lang sein Arsch frieren um einfach ein Handy zu kaufen. Hoffnungslos …

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