Katastropheneinsatz: Minidrohnen sollen euer Leben retten

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Üblicherweise denkt man bei Drohnen an Killermaschinen in Kriegsgebieten. Aber es gibt auch eine andere Seite der autonomen Flugtechnik - ein Roboter, der Medizin und Vorräte zu Leuten bringt, die zum Beispiel nach einer Naturkatastrophe Hilfe benötigen. Eine solche Drohne wurde nun erstmalig getestet.

Eine Gruppe namens Ideate hat ausprobiert, wie eine Drohne genutzt werden kann, um Leute mit medizinischen Hilfsmitteln und Medikamenten zu versorgen. Dafür wurde eine der lebensfeindlichsten Umgebungen gewählt, die sich Amerikaner offenbar vorstellen können. Das Burning Man Festival läuft jedes Jahr acht Tage lang und findet in der Wüste vor Nevada statt. Neben einer Kunstschau häufig sehr skurriler Art ist das Ganze eine riesige Party mit 50.000 Besuchern.

Zurück zu unserer Drohne. Die Idee ist also, aus der Luft Leute zu versorgen, wenn zum Beispiel Straßen unterbrochen sind. Wenn sich zum Beispiel eine Naturkatastrophe in einem Entwicklungsland ereignet, stehen die Helfer oft vor dem Problem der “letzten Meile”: Medizin und Vorräte können meist in Städte gebracht werden, aber danach wird es schwierig sie auf dem Land zu verteilen, wo die Leute sehnsüchtig auf Hilfe warten. Stellt euch zum Beispiel ein Erdbeben mit großflächigen Zerstörungen vor. Irgendwo kann man sicherlich Versorgungsflugzeuge landen lassen und entladen – aber wie sollen die LKWs dann in die entfernte liegenden Dörfer und Städte kommen? Normalerweise werden dann Hubschrauber eingesetzt.

Selbst in den entferntesten Gegenden der Welt gibt es nun Mobilfunk und jemanden, der einen Notruf absetzen kann. Darauf setzen auch die Leute von Ideale. Sollte das Handy desjenigen auch noch GPS haben, hätte man gleich die Koordinaten. Eine Drohne könnte dann aus einer nahegelegenen Stadt losfliegen. So zumindest der Plan.

Um diese Idee zu testen hat Ideate – ein Teil der Nonprofi-Organisation ReAllocate aus San Francisco – das System nach Nordnevada gebracht. Um das Burning Man Festival als Beispiel für einen “Katastropheneinsatz” anzusteuern. Mit einer ungewöhnlichen Fracht.

Ein Burning Man-Teilnehmer besucht dabei einen Container mit einem XBox-Kinect-System, dass seine Statur einscannt und die Daten zu einem zweiten Container mit 3D-Druckern schickt. Dort wird eine Ministatue des Teilnehmers ausgedruckt und mit der Drohne zu der Position des Teilnehmers geschickt, der einen GPS-Sender in die Hand gedrückt bekommt. Wenn die Statue fertig ist, vibriert der Sender und der Teilnehmer begibt sich zu einer freien Fläche, wo die Multi-Rotor-Drohne mit dem neuen Spielzeug landen kann. Den GPS-Empfänger stellt man dann in das Fluggerät, dass daraufhin zurück fliegt.

Damit das Ganze klappt, hat Ideate zwei erfahrene Pioniere auf dem Drohnen-Gebiet angeheuert. Sergei Lupashin aus Zürich, der vielleicht einigen durch sein Youtubevideo bekannt ist, bei dem sich zwei Drohnen einen Ball zuspielen. Er steuerte mehrere kleine Quad-Rotoren bei und sorgte für die Software, die für die Steuerung verwendet wird. Für schlechteres Wetter (besonders bei viel Wind) ist Ziv Marom von ZM Interactive und sein Octocopter gefragt. Er hat auch einen 12-Rotor-Modell im Sortiment, dass fast 15 Kilogramm heben kann.

Das Projekt war eines der technisch beeindruckendsten auf dem diesjährigen Burning Man Festival. Sogar Sergey Brin von Google guckte es sich an – und trug dabei die Google Glasses-Brille.

Der Einsatz zeigte deutlich, wo die Probleme bei dem derzeitigen System liegen. Das Wüstenklima setzte nicht nur den Kinect-Kameras zu – zwei waren gleich kaputt. Staub verstopfte die 3D-Druckerdüsen und verdreckte die Solarpanels, mit dem die Stromversorgung sichergestellt werden sollte. Auch die Auslieferung mit den Drohnen stellte sich als komplexer heraus als gedacht. Die starken Winde und die zahlreichen Menschen, die umherliefen, sorgten für ständige Gefahr. Zum Glück kam es zu keinen Unfällen.

Die kleinen Quadcopter, die eigentlich für den Einsatz in Innenräumen gedacht waren, hatten mit dem starken Wind die meisten Probleme. Sie schafften es dennoch, ihr Ziel zu erreichen. Bei den Flügen dieser kleinen Flugroboter und des Oktocopters wurden die GPS-Daten genutzt. Aus Sicherheitsgründen landeten die größeren Fluggeräte aber 10 Meter vom Sender entfernt. Außerdem wurden die Flüge per Hand gesteuert. Beim letzten Flug verließ man sich vollständig auf die automatische Steuerung um den GPS-Punkt zu erreichen. Der Oktocopter ließ ferngesteuert seine Fracht ab. Damit war zumindest der Beweis erbracht, dass eine automatische Lieferung möglich ist. Ob man den Abwurf auch automatisieren will oder dies lieber einem Piloten überlässt, wissen die Initiatoren noch nicht.

Das größte Problem sind jedoch die Akkulaufzeiten. Die Drohnen können bei einer Maximalgeschwindigkeit von rund 56 Kilometer pro Stunde rund einen Kilometer zurücklegen. Das wird für viele Rettungseinsätze nicht reichen. Eine Flugzeug-Drohne hat zwar bei gleichen Akkus eine größere Reichweite, nur das Ausliefern wird dann schwieriger und ähnelt eher einem Bombenabwurf.
Ziv arbeitet an einem System, bei dem Drohnen automatisch Ladestationen auf dem Weg anfliegen und sich wieder aufladen. Das könnte die Reichweite enorm steigern. Die Frage ist nur: Wie kommen die Aufladestationen erst einmal an ihren Bestimmungsort?

Die Entwickler mutmaßen, dass die hohen Temperaturen, der Staub und die starken Winde, die sie ihren Fluggeräten zumuteten, ein guter Beleg dafür sind, dass ihre Drohnen praktisch überall fliegen können. Ob das auch für niedrige Temperaturen und feuchte Umgebungen gilt, sei einmal dahingestellt.

Unser Dank gilt CEO Sandra Kwak, Projektmanager Dara Dotz, und den Gründer und Vorsitzenden von ReAllocate – Dr. Mike North – sowie Sergei Lupashin und Ziv Morom für die Zeit, die sie sich für das Gespräch genommen haben. Unsere US-Kollegen haben ein Video des Einsatzes gedreht.

Und nun die Frage an euch: Ist das Konzept in euren Augen tragfähig? Sollte man lieber auf Hubschrauber setzen? Größere Drohnen? Was meint ihr? Schreibt es einfach in die Kommentare.

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  1. Kanz klar grössere Reichweiten ^^ Das mit den Ladestationen wird wohl nicht so einfach. Solarplatten an den Quadrokoptern wären wohl zu schwer, sperrig und wenig ertragreich. Wie wäre es mit Wasserstoff? Ok, etwas gefährlich. Aber einer Non-Profi-Organisation traue ich da eh nicht. Wenn dann einer Non-Profit-Organisation ;-)

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