Gizmodo trifft einzigen Cyborg der Welt

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Neil Harbisson hört Farben und ist dank seines "Eyeborg" der einzige staatlich anerkannte Maschinenmensch der Welt. Wir haben ihn auf der „Campus Party Europe“ getroffen und über das Eyeborg-Implantat, vibrierende Farben und einen Pilz-Trip in Holland geredet.

Wie viele Menschen dürfen schon von sich behaupten, dass sie bereits einem waschechten Cyborg begegnet sind? Seit dem 23. August 2012 sind es zumindest ein paar Hundert mehr. Denn im Rahmen der „Campus Party Europe“ im stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof, gab sich Neil Harbisson die Ehre und hielt einen Vortrag über Cyborgism. Warum? Weil er tatsächlich einer ist. Wir haben uns mit ihm unterhalten.

Seine Geschichte als Maschinenmensch beginnt eigentlich mit seiner Geburt. Harbisson kam mit der seltenen Krankheit Achromatopsie auf die Welt. Das heißt, dass der Brite keine Farben sehen kann. Für ihn ist die Welt schlichtweg grau-weiß-schwarz – theoretisch. Denn vor ein paar Jahren ließ er sich den von ihm und einem Kollegen entwickelten „Eyeborg“ implantieren. Das Gerät besteht aus einem Farbsensor, der neben dem Auge angebracht ist, Licht und Signale an einen im Kopf implantierten Chip sendet, wo sie in höhere Frequenzen umgewandelt werden. Oder einfacher gesagt: Harbisson sieht Farben nicht, er hört sie.

„Eyeborg“ als Teil seiner selbst

So ähnlich sollen laut Wikipedia an Achromasie Leidende ohne "Eyborg" das Bild sehen.

So ähnlich sollen laut Wikipedia an Achromasie Leidende ohne “Eyborg” das Bild sehen.

Die Sache mit dem Cyborg passierte im Jahr 2004. Als Harbisson einen neuen Pass beantragen wollte, stellten ihm die britischen Behörden keinen aus, da das Gerät an seinem Kopf natürlich auch auf dem Passbild zu sehen war. Da nützte es Harbisson auch nichts, dass er den Beamten erklärte, dass der „Eyeborg“ nicht irgendein fremder Gegenstand sei, sondern ein Teil seiner selbst. Pech gehabt, zunächst war da nichts zu machen.

Also beschloss Harbisson sich an seinen Arzt, seine Freunde, Kollegen und Bekannte zu wenden. Sein Fall machte so schnell die Runde, dass innerhalb weniger Wochen massenhaft Protestbriefe bei den Behörden eingingen. Kurz darauf lenkten die Beamten ein und so wurde Harbisson zum ersten anerkannten Cyborg der Welt.

„Ich trage nur Kleidung, die klanglich harmonisiert“

Zurück in der Gegenwart: Nach seinem Vortrag auf der „Campus Party Europe“, haben wir uns mit ihm und ein paar Kollegen in die Presselounge zurückgezogen, um ein wenig über sein Cyborgdasein zu schnacken und zu philosophieren. Da saß er dann, der erste waschechte Cyborg – und erinnerte so ganz und gar nicht an Arnie in Terminator. Im Gegenteil: Ruhig, fast schüchtern ist Harbisson, der eine Brötchen auch als Künstler und Komponist verdient.

Und optisch erinnert er tatsächlich ein wenig an Andy Warhol, auch was seine Kleidung betrifft: Rotes T-Shirt, Gelbe Hose, Schwarz-weiße Lackschuhe und ein hellblaues Jacket. Eine Farbkombination, die natürlich dazu anregte nachzufragen, ob das nicht vielleicht etwas mit seinem Farb-Gehör zu tun haben könnte. Natürlich hat es das: „Wenn ich einkaufen gehe, dann kaufe ich nur Kleidung, die für mich gut klingt und trage auch nur Kleidung, die klanglich harmonisiert“, erklärt er das farbenfrohe Outfit. Seine Kleidung sei wie eine Tonleiter aufeinander abgestimmt, also zumindest so in der Art, „deshalb trage ich eigentlich einen Song.“

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Ein Cyborg auf Pilze

Jede Farbe habe ihren ganz einzigartigen Klang: „Es ist eine völlig andere Art der Wahrnehmung, wie ein neues Sinnesorgan. Normalerweise kommen Klänge ja von irgendeinem spezifischen Ort. Bei mir kommen sie von innen.“ Es seien, so Harbisson, vibrierende Klänge, also hat jede Farbe obendrein auch noch ihre ganz einzigartige Vibration. Beispielsweise vibrierten Blau oder Lila stärker als Rot, weil sie eine höhere Frequenz besäßen. „Deshalb bringen mich Blau oder Lila auch regelmäßig zum lachen.“ Und womit er gar nicht zurecht käme, sei eine Kleidungskombination mit der gleichen Farbe, aber verschiedenen Farbtönen. Da spiele die Melodie regelrecht verrückt.

Aber nicht nur dann. Nach der Gesprächsrunde erzählte er noch kurz von einem Ausflug nach Holland – und seinem ersten und einzigen Erlebnis mit Mushrooms, also psychodelischen Pilzen. Bitter haben sie geschmeckt. Und während andere die verrücktesten Farben sehen, hörte Harbisson die verrücktesten Töne. Aber, so versichert er, der kleine Pilztrip war er erste und letzte in seinem Leben. Zum Glück. Denn ein Cyborg, der auch noch die ganze Zeit high ist, wäre dann nun wirklich zu abgedreht.

[Bildquelle: Wikipedia]

  1. so ein quatsch. das ist doch kein cyborg. der typ eine etwas kopliziertere Brille und nennt sich cyborg.

    menschen mit herzschrittmachern würde ich eher so bezeichnen- aber doch nicht DER!

  2. Also zumindest der letzte Absatz kann so ja wohl nicht stimmen – die Töne werden doch von dem Gerät erzeugt das er trägt, und auf das dürften die Pilze ja wohl keinen Einfluss haben, oder hab ich da was falsch verstanden?

    1. Da steht doch nur, dass er verrücktes Zeug hört, während andere verrücktes Zeug sehen – find ich jetzt nich so abwegig.^^ Du hast das vermutlich so verstanden, dass er genau das wahrnimmt, was ihm der Chip schickt, aber das ist in dem Zustand wohl nicht der Fall.

  3. Ich finde schon dass dieser Mann als “Cyborg” bezeichnet werden kann. Schließlich ist er der erste Mensch der ein rein technisches und neuartiges “Organ” bekommen hat, anders als bei Herzschrittmachern und ähnlichem welche nur die normale Futnkion ersetzen.

  4. So, hallo zusammen.

    @ab, Nein sein Gehirn wandelt die Farbtöne nicht in Bildsignale um, sondern die Lichtsignale in vibrierende Melodien. Ganz einfach erklärt: Stell dir vor du siehst alles schwarz-weiß und wenn du Leute anguckst, dann hörst du von innen eine gewisse Musik, je nachdem was die Leute tragen. Jeder Teil des scharz-weiß Bildes verursacht einen anderen Ton. Soweit verstanden?

    @Robin: Ich bin kein Mediziner und kein Psychologe. Aber wie die meisten wissen dürften, verursachen Pilze Halluzinationen. Und wo laufen diese Halluzinationen ab? Richtig. Im Gehirn. Während andere also kleine nackte Zwerge sehen, blaue Wiesn oder mit Elvis sprechen, hörte Neil Harbisson extrem verrückte Melodien. Dass die nicht vom Gerät stammen, dürfte klar sein. Aber sein Gehirn hat sich ja auf die inneren Klänge eingestellt und sie als normal adaptiert.

    @Joe: Das Außergewöhnliche an Harbisson ist, dass er völlig naturunabhängig einen neuen Sinn entwickelt und etwas zu seinem Körper hinzugefügt hat, dass eigenständig etwas macht, was nicht “normal” ist und von der Natur nicht vorgesehen. Ein Herzschrittmacher ist ja nix weiter als ein Gerät, dass ein Organ unterstützt, sobald etwas von der Natur Vorgesehenes nicht mehr richtig funktioniert.

    Hoffe, ich konnte ein wenig weiterhelfen.

    Der Autor

    1. @Ben Krischke
      tut mir leid dem kann ich nicht zustimmen. er hat keinen neuen sinn entwickelt. er transformiert bestehende infos um, um sie mit einem bestehenden(!) sinn aufzunehmen.

      ich könnte zB sagen, ich Wandel mit meinem mobiltelefon elektromagnetische wellen in akustische wellen um, damit ich sie mit meinem ohr dann wahrnehmen kann.
      ich könnte auch sagen, ich wandel mit einer wärmebildkamera (ein sinn, mit dem wärmewellen aufgenommen werden) die mir nicht wahrnehmbaren informationen in eine für mich wahrnehmbare form um.

    2. @Ben Krischke: Die Funktionsweise des Geräts, so wie du sie beschreibst stimmt leider nicht. Es ist nicht so, dass das Gehirn einfach irgendwo irgendwelche Bild-Daten eingeschleust bekommt und daraus lustige Töne macht. Das ganze ist eigentlich recht unspektakulär in Wirklichkeit, denn es findet alles in der Elektronik statt. Die Kamera nimmt Bilder auf und wandelt die Farbspektren in akkustische Signale um, welche dann über einen Lautsprecher am (oder im) Ohr ausgegeben werden.
      So ein System könnte theoretische jeder selber daheim zusammenbasteln.

  5. Was jammert ihr hier eigentlich rum wenn es einfach nur darum geht sich mal damit zu beschäftigen, welche technischen Möglichkeiten es über das, was unser Körper bietet, hinaus so gibt? Wen interessieren diese Definitionen, spannender sind die Ideen. Eine andere Webseite berichtet heute z.B. auch über implantierte Magneten, mit denen man Magnetfelder als Vibration wahrnimmt.

  6. Also, ich empfehle allen an der Diskussion Beteiligten (und allen anderen auch) den Talk von Neil bei ted anzuschauen. Dieser ist wesentlich ausführlicher als das 3 Minuten Video. Vielleicht versteht es der eine oder andere dann besser.

    Und an Joe: Wenn du dir das Mobiltelefon in den Kopf hast einbauen lassen und es automatisch mit dir “kooperiert”, kannst du dich meiner Meinung nach auch als Cyborg bezeichnen ;)

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