Russisches Roboterraumschiff fliegt in nur 6 Stunden zur ISS

Zwei Tage mögen für die Lieferung einer Amazon-Bestellung nicht lange sein, aber für die Besatzung der Internationalen Raumstation müssen sich 48 Stunden wie eine Ewigkeit anfühlen – vor allem wenn man wichtige Versorgungsgüter erwartet. Deshalb haben die NASA und die russische Rosaviakosmos neue und alte Technik verbunden um Nachschub achtmal schneller als bisher liefern zu können.

Nachdem das Space-Shuttle-Programm eingestellt wurde, ist die NASA abhängig von den russischen Sojus-Raumschiffen, die wichtige Nachschubgüter, angefangen von wissenschaftlichen Ausrüstungsgegenständen über Frischluft bis hin zu Treibstoff zur ISS bringen. Auch wenn die Internationale Raumstation nur 220 Meilen (ca. 354 km) über der Erde schwebt, sind 34 Erdumkreisungen erforderlich, bis die Sojus-Kapsel die ISS erreicht. Das entspricht ungefähr 2 Tagen. Die Methode ist ineffizient, zumal die Crew während der Zeit Luft, Nahrung und Wasser benötigt, die andererseits auch auf der ISS gut gebraucht werden könnte.

Die russische Weltraumagentur hat deshalb das unbemannte Raumschiff Progress einer Verjüngungskur unterzogen. Die Progress wurde ursprünglich in den achtziger Jahren entwickelt. Auf Basis der älteren Progress 7K-TG wurde ein neues Raumschiff mit einem modernen Servicemodul entwickelt (diese Sektion umfasst die Flugsteuerung) sowie ein neues Rendezvous- und Dockingsystem entwickelt. Dazu kommt ein digitales Telemetriesystem. Das 10,7 Meter lange und 7,27 Tonnen schwerere, unbemannte Vehikel wird Progress-M genannt. Es kann fast 3 Tonnen Versorgungsgüter transportieren. Vergangene Woche lieferte die Progress 48 insgesamt 890 Kilogramm Treibstoff, 50 Kilogramm Sauerstoff, 420 Kilogramm Wasser und 1270 Kilogramm anderer Versorgungsgüter zur ISS – in unter 6 Stunden.

Nach dem Start vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan benötigte Progress 48 nur 5 Erdumdrehungen um zur ISS zu kommen und dort automatisch anzudocken. Das Manöver fand über dem Südpazifik statt. „Das Verfahren liegt uns mehr Beschränkungen hinsichtlich der Bahnmechanik beim Start auf, weil weniger Zeit ist, die Raumstation zu erreichen“, sagte der Flug Direktor Chris Edelen. “Man muss praktisch beim Start in der richtigen Position sein und die Raumstation muss sich dabei ebenfalls an der richtigen Stelle befinden.“

Bei ihrer Ankunft verbindet sich Progress 48 über die Pirs-Andockstation mit der ISS. An dieser Stelle befand sich zuvor die Progress 47. Die Kapseln sind nicht wiederverwertbar, so dass immer, wenn ein Nachschubraumschiff ankommt, das vorherige gefüllt mit Müll von der ISS abgetrennt wird und beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Die Progress 48 wird bis zum Dezember 2012 an der ISS angedockt bleiben und danach das Schicksal ihres Vorgängers teilen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die NASA oder die RSFA ein solches Manöver versuchte. “Eigentlich ist es eine alte Technologie“, sagte Edelen. “Unser erstes Rendevous-Manöver in Geminiprogramm wurde ebenfalls am ersten Tag des Fluges durchgeführt und die Russen haben das ebenfalls gemacht. Insofern ist das eine Art von Zurück in die Zukunft.“

Die Weltraumagenturen planen einen weiteren unbemannten Testflug innerhalb dieses Jahres. Wenn auch der erfolgreich verläuft, will man das Verfahren auch bei bemannten Sojus-Kapseln anwenden. Wenn man die Crew innerhalb von sechs Stunden ins Orbit und zur ISS bringen kann, während es ein enormer Vorteil gegenüber den mehr als zwei Tagen, die es im Moment dauert. Außerdem wird diese neue Verfahrensweise es ermöglichen, im Notfall schnell Versorgungsgüter zur ISS zu bringen, wenn es zum Beispiel einen schwerwiegenden Systemfehler an Bord gibt.
[Andrew Tarantola / Andreas Donath]

[Via PopSci, SpaceRef, Wikipedia, Astronautix, Space 1, 2]

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