Test: Samsung Galaxy Tab 2 10.1 (Tablet-PC)

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Nicht jede neue Tablet-PC-Generation hat ein Feuerwerk an technischen Neuheiten und überraschenden Features zu bieten, von denen wir bis dahin nicht wussten, wie wir jemals ohne ausgekommen sind. Wir haben uns schon an superflache, relativ leistungsstarke Tablets mit hellen Displays, guter Akkulaufzeit und pfiffigen Funktionen gewöhnt. Selbst Apple konnte uns mit dem neuen iPad nicht vom Hocker hauen. Samsung bringt selbigen mit seinem neuen Galaxy Tab nicht mal zum Wackeln.

Als ich das Galaxy Tab 2 10.1 GT-P5110 (die Variante ohne UMTS) aus der Verpackung nahm, kam mir schon beim Anblick des Gehäuses ein Stichwort in den Kopf: Solide. Und genau dieses verfolgte mich beim Test des Geräts. Denn wirklich Aufregendes hat Samsungs neuer 10,1-Zöller kaum zu bieten. Da wäre zwar Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich, ein wirklich gelungenes mobiles Betriebssystem, das Samsung mit seiner eigenen, ebenfalls recht gelungenen (wenn man auf Widgets steht) TouchWiz-Benutzeroberfläche überzieht. Doch an Highlights war es das auch schon. Okay: Die zwei Lautsprecher, die links und rechts neben dem Display angebracht sind, klingen wirklich gut für integrierte Tablet-Boxen. Und der Bildschirm selber mit seinen 1.280 x 800 Pixeln zeigt knackige Bilder, hat einen großen Betrachtungswinkel und spiegelt sogar vergleichsweise wenig – eine echte Wohltat.

Aber schon beim Anschluss für das USB-Kabel zum Aufladen und Datenaustausch mit dem PC frag ich mich: Warum? Warum nimmt Samsung keinen Standard-USB-Port, sondern einen proprietären, für den ich immer das Samsung-eigene Kabel benötige. Warum macht Samsung es nicht besser als Apple? Es wäre so einfach. Weiter geht’s mit der Kamera. Mir ist klar, dass diese bei einem Tablet weit weniger wichtig ist als etwa bei einem Smartphone. Aber das Galaxy Tab 2 hat nicht mal einen LED-Blitz zu bieten und das macht die Kamera zusammen mit einer schwachen Auflösung von gerade einmal 3,2 Megapixeln nahezu unbrauchbar. Die zweite Kamera auf der Vorderseite schafft sogar nur 640 x 480 Pixel – der Hersteller hätte sie auch ganz weglassen können.

Immerhin existiert ein microSD-Kartenslot, mit dem ich den internen Speicher von 16 bzw. 32 GByte um weitere maximal 32 GByte erweitern darf. Das ist eine Sache, die mir bei Android-Geräten so gefällt – auch wenn die Hersteller hier teilweise gefährlich in Richtung Apple tendieren und Speicherkarteneinschübe immer öfter weglassen. Nicht so beim Galaxy Tab 2. Das Gehäuse ist in Grau und Schwarz gehalten und zwar komplett aus Plastik. Trotzdem macht die Hülle einen stabilen Eindruck. Ebenso wie die Lautstärkewippe und der Ein/Aus-Schalter auf der Oberseite.

Im Innern des Tablets werkelt ein Dualcore-Prozessor mit 1 GHz Taktfrequenz (ARM Cortex A9) sowie 1 GByte Arbeitsspeicher. Und auch hier stelle ich mir wieder die Warum-Frage. Warum baut Samsung keine Quadcore-CPU (Tegra 3 von Nvidia oder Snapdragon S4 von Qualcomm) ein, so wie es andere Hersteller auch tun – so wie es der Stand der Technik ist? Am Preis kann es nicht liegen, denn auch Quadcore-Tablets gibt es für rund 400 Euro – etwa das Asus Eee Pad Transformer Prime. Die Performance leidet denn auch spürbar unter dem etwas kraftlosen Prozessor. Das zeigen zum einen die Benchmarks (s. Tabelle unten), in denen das Eee Pad und auch das iPad 2 besser abschneiden. Zum anderen merkt man es auch bei der Nutzung: Android gönnt sich immer wieder kurze Denkpausen, etwa beim Drehen des Bildschirms vom Hoch- ins Querformat oder beim Wischen durch die Homescreens. Selbst beim Öffnen einzelner Apps musste ich hin und wieder warten – nicht lange, aber spürbar. Das Problem hatte Android im Vergleich zu iOS ja schon immer. Aber bei keinem aktuellem Tablet-Modell ist es mir bisher so sehr aufgefallen. Es stört nicht wirklich bei der Benutzung, aber es nervt gelegentlich. Apps selber laufen hingegen flüssig, auch die Wiedergabe von HD-Videos bereitet dem Prozessor keine Probleme.

Zufrieden war ich mit dem Akku: Die 7.000 mAh lieferten genug Energie, um ein Video im Endlos-Playback bei mittlerer Display-Helligkeit und aktivierte WLAN-Modul achteinhalb Stunden abzuspielen. Das Aufladen dauert zwar volle fünf Stunden. Aber bei normaler Benutzung (Surfen, Spielen, Mailen, kurze Videos) muss das Galaxy Tab nur alle paar Tage ans Netz. So war es jedenfalls bei mir.

Fazit
Das Galaxy Tab 2 10.1 ist ein solides Tablet. Ärgerlich sind die vergleichsweise schwache CPU und der proprietäre USB-Anschluss. Die miserable Kamera lasse ich mal außen vor, weil sie bei einem Tablet-PC nicht wirklich wichtig ist. Gelungen sind die Verarbeitung, der Sound aus den integrierten Lautsprechern und die passable Akkulaufzeit. Insgesamt kann Samsung aber keine Highlights setzen. Selbst wenn der Preis für die kleinste Variante bei unter 350 Euro liegt, gibt es keinen besonderen Grund, gerade dieses Tablet zu kaufen.

Technische Daten
Betriebssystem: Android 4.0.3
Display: 10,1 Zoll kapazitiver Touchscreen, 1280 x 800 Pixel, 16:10
Prozessor: ARM Dual-Core CORTEX A9 (1 GHz)
Arbeitsspeicher: 1 GByte
Speicher: 16 oder 32 GByte, erweiterbar durch microSD-Karte (max. 32 GByte))
Abmessungen: 25,7 x 17,5 x 1 Zentimeter
Gewicht: 588 Gramm
Anschlüsse: 3,5-mm-Klinke (für Kopfhörer oder Mikrofon), microSD, proprietärer USB-Anschluss (Kabel liegt bei)
Connectivity: Wi-Fi 802.11b/g/n, Bluetooth 3.0, GPS (3G optional)
Webcam: 3 Megapixel (Rückseite), 0,3 Megapixel (Vorderseite)
Bedienelemente: Lautstärkewippe, Ein/Aus-Taster

Straßenpreise
ca. 340 Euro (16 GByte)
ca. 440 Euro (16 GB + 3G)
ca. 420 Euro (32 GB)

Benchmarks
GLBenchmark 2.1 (3D-Performance): Samsung Galaxy Tab 2 10.1 / Asus Eee Pad Transformer Prime / Apple iPad 2 (Bilder pro Sekunde*)
Egypt Standard 19 / 50 / 59
Egypt High: 5 / n.a. / 59
Egypt Offscreen: 27 / 62 / 90
Pro Standard: 25 / 55 / 60
Pro High: 18 / n.a. / 59
Pro Offscreen: 44 / 76 / 147
* je höher, desto besser

Sunspider (JavaScript-Performance*)
Samsung Galaxy Tab 2 10.1: 2323 Millisekunden
Asus Eee Pad Transformer Prime: 2500 Millisekunden
iPad 2: 1793 Millisekunden
* je kürzer, desto besser

Tags :
  1. kann ich bestätigen. ich hab den eindruck, dass das erste 10.1n schneller war als das galaxytab2.
    der prozessor ist wirklich eher mager…enttäuschend, eher ein rückschritt. und mit dem kameramist stimme ich ebenfalls voll zu. eine 8mp kamera wäre mal was in einem tablet…man könnte so viel damit anstellen….könnte…hätte..wäre..wenn…

  2. “Selbst Apple konnte uns mit dem neuen iPad nicht vom Hocker hauen.”
    Wer, zum Teufel, ist denn “uns”?

    Wenn allerdings Apple im März diesen Jahres ein hardwaremäßig mit dem Vorgänger nahezu identisches “neues” iPad präsentiert hätte, dann wäre hier und in sämtlichen Medien rund um den Erdball der Teufel los gewesen.
    Bei Samsung dagegen interessiert das kein Schwein.

  3. Na wo sind sie denn dann die tollen Retina Displays von Samsung? Wenn sie ja schon am langen Hebel sitzen.

    Viel mehr wird es so sein, dass zwar Samsung für Apple produziert, aber Entwicklungen darin stark von Apple bezuschusst werden und vielleicht sogar ganze Produktionsstrassen exklusiv für Apple da sind, da von denen bezahlt.
    Sicher bin ich mit da nicht, es wäre aber marktüblich und wir bei Foxconn auch so gemacht. Damit wird Retina warscheinlich frühestens in 2 Jahren bei anderen Produkten kommen oder sie bauen sich eigene Produktionslinien…

  4. Samsung stellen Ihnen, sehr gut. Unsere Aufmerksamkeit verdient, werde ich überlegen, ob sie zu kaufen. Ich sah auch, die einen volkkauf 10 Zoll der Tablet PC, jetzt ist ein bisschen widersprüchlich. Ich weiß nicht, wie man das macht.

  5. Ich habe das tablet seit 2 Wochen und bin total zu frieden. Ich habe 269€ gezahlt. Die Dauer von quer nach hochformat ist zu lang, ja das stimmt und die Kamera ist auch nicht der Hit. Aber deswegen kauf ich mir ja kein tablet. Ein weiterer Einwand den ich habe, wenn man z.b. auf youtube ein Lied anhört und etwas anderes machen will, geht automatisch youtube aus und man kann das Lied nicht weiter anhören. Also muss man den mp3 player oder ähnliches anmachen, um musik zu hören (beim arbeiten/surfen). Vieles hab ich immer noch nicht ausprobiert, da mir die Zeit fehlt. Eine richtige gebrauchsanweisung hätte ich mir auch gern gewünscht, diese kann man aber ohne langem suchen herunterladen. Zum spielen, surfen und ausprobieren ist es super geeignet, vor allem zu dem preis!!!

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