Wissenschaftler beobachten erstmals das versteckte Netz dunkler Materie

Abell-222-und-Abell-223

1933 stellte der Schweizer Astronome Fritz Zwicky fest, dass die durchs Teleskop sichtbare Menge an Materie dem Verhalten des Universums nicht entsprechen kann. Es muss also noch Irgendetwas geben, das zwar den größten Teil der bestehenden Materie ausmacht, für uns aber nicht sichtbar ist.

Einige Astronomen der Uni München wollen nun erstmals diese Dunkle Materie direkt beobachtet haben. Die Entdeckung wurde in Nature veröffentlicht und ging bei den ganzen Nachrichten um Higgs Boson ein wenig unter.

Die Forschungsarbeiten des Teams drehten sich darum, die fadenförmigen Verbindungen (oder Filamente) zwischen Galaxienhaufen zu untersuchen. Bisher konnten diese nicht beobachtet werden, weil sie in der Regel nicht dicht genug sind. Die Forscher um Jörg Dietrich konnten nun aber ein untersuchbares Filament ausmachen. Dieses ist 18 Megaparsec lang und verbindet die von uns 2,7 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxienhaufen Abell 222 und Abell 223 im Sternbild Walfisch.

Erkennbar war die Dunkle Materie durch ihre Schwerkraftwirkung. Aufgrund ihrer Masse wird das Licht hinter ihr liegender Galaxien – zwar nur ein wenig, aber nachweisbar – abgelenkt. Diese Ablenkung des Lichtes wird Gravitationslinsen-Effekt genannt. Dieser Effekt wurde zusätzlich noch verstärkt, da das Filament senkrecht zu unserer Erde steht und dadurch aus unserer Perspektive noch wesentlich dichter wirkt.

Aufgrund dieser optischen Verzerrung vermuten die Wissenschaftler, dass das Filament die zwischen 6,5 mal 10^13 und 9,8 mal 10^13 fache Masse der Sonne hat. Durch eine neue Analystechnik konnten außerdem Daten des XMM-Newton Weltraumobersvatoriums ausgewertet, und die genaue Form des Filaments ausgemacht werden.

Bisher gab es keine direkte Beobachtung der Dunklen Materie. Die Karte des Universums unten zeigt, wie Galaxien durch eine scheinbar verästelte Struktur gruppiert sind. Dies war bisher aber nur ein Anzeichen für die Existenz von Etwas, das gleichzeitig unsichtbar, aber auch mit genügend Gravitationskraft ausgestattet ist, um diese Formen herbeizuführen. [Nature and Nature via Boston HeraldChristian Science Monitor and NASA]

[Oliver Schwab / Jesus Diaz]

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