Orion: Die Zukunft des bemannten Raumflugs

Mit dem Ende des Space Shuttles hat die Nasa den bemannten Raumflug nicht komplett aufgegeben. Bevor die US-Weltraumbehörde selbst wieder Raumflüge mit Menschen unternehmen kann, wird es noch etwas dauern: 2021 soll es soweit sein. Bis dahin braucht die Nasa jemanden, der ihre Astronauten befördert. Eine neue Generation wiederverwendbarer Raumschiffe: Die Orion-Kapsel.

Das Projekt heißt offiziell Orion MPCV (Multi-Purpose Crew Vehicle). Das Schiff soll deutlich über das Low Earth Orbit (LEO) (200 bis 1200 km) hinaus kommen und Astronauten auch Richtung Mond, Mars und sogar noch weiter und sicher wieder zur Erde zurück bringen. Die Nasa will diese Raumschiffe für alle möglichen Einsatzzwecke nutzen, von Versorgungsflügen zur Internationalen Raumstation bis hin zum Absetzen von Astronauten auf Asteroiden. Das MPCV wurde von Lockheed Martin Space Systems gebaut, die zufälligerweise auch die Delta IV Rakete entwickelten, mit der die Orion befördert werden soll. Die Orion besteht aus drei Komponenten:

Das Rettungssystem Launch Abort System

Die Nasa will die Wiederholung einer Katastrophe wie dem Challenger-Unglück unbedingt vermeiden. Deshalb ist die Orion mit einem Rettungssystem ausgestattet worden. Das Launch Abort System (LAS) sitzt ganz vorn und sieht aus wie ein kleiner Turm. Die Crew wird im Notfall mit Hilfe dieser “Rakete auf der Rakete” in Sicherheit gebracht. Dazu wird das LAS zusammen mit dem Besatzungsmodul schnell vom Rest der Rakete getrennt. Außerdem schützt das LAS die Crew vor der Hitze und dem Druckwechsel während des normalen Startvorgangs. Das LAS wird abgesprengt und fällt zur Erde zurück, wenn alles gut gegangen ist. Der Raketenmotor des LAS ist übrigens stärker als die Rakete, die John Glenn 1962 ins Orbit schoss.

Crew Modul

Hier befindet man sich als Astronaut an Bord der Orion. Das Crew Modul sitzt zwischen dem LAS und dem Service Modul (Lebenserhaltungs- und Unterstützungssytem). Es besteht aus einer Aluminium-Lithium-Legierung und kann bis zu sechs Astronauten zusammen mit ihrer Ausrüstung und ihrem Gepäck beherbergen.

Im Vergleich zu früheren Kapseln bietet das neue Crew Modul eine Reihe von Verbesserungen wie ein überarbeitetes Cockpit, leistungsfähigere Rechner, eine Toilette und eine automatische Not-Rendezvous-Funktion. Das Cockpit ist mit dem vergleichbar, das Honeywell für die Boeing 787 gebaut hat. Den Astronauten wird die lästige Aufgabe abgenommen, sich selbst zu überwachen. Das Rendezvous-System übernimmt automatisch das Andocken an andere Raumschiffe und Raumstationen. Für die Astronauten dürfte es auch nicht unerheblich sein, dass es eine echte Toilette gibt. Die unappetitliche Plastiktütenlösung ist im Gegensatz zum Apolloprogramm nicht mehr erforderlich. Das neue Sanitärsystem basiert auf einer Entwicklung für das Skylab.

Im Gegensatz zum sehr häufig wiederverwendbaren Shuttle ist das Orion Crew Modul nur sehr selten wieder einsetzbar: Es soll nur 10 Flüge überstehen. Danach wird es eingemottet. Das Crewmodul besitzt kein Fahrwerk wie das Spaceshuttle sondern ist ausschließlich für die Landung auf dem Wasser geeignet.

Service Modul

Hier befindet sich die Technik, die die Astronauten in der menschenfeindlichen Umgebung des Weltalls am Leben erhält. Das Servicemodul besteht aus der gleichen Alumium-Lithiumlegierung wie das Crew Modul. Es sorgt mit seinem Triebwerk mit 7.500 Pfund Schub für den Antrieb, wenn die Rakete abgesprengt wurde. Außerdem lagert dort das Wasser und die Atemluft sowie die Heizung für die Astronauten. Ferner ist ein Lager für allerlei Equipment vorhanden, das keinen Sauerstoff benötigt. Das Service-Modul bleibt solange mit dem Crew-Modul verbunden, bis der Wiedereintritt in die Erdatmosphäre beginnt. Es beherbergt ausklappbare Solarpanele zur Energieversorgung. Dadurch müssen die unzuverlässigen und schweren Brennstoffzellen aus der Vergangenheit nicht mehr an Bord.

Der große Test

Die Systeme werden derzeit am Kennedy Space Center zusammengesetzt und für den Testflug Anfang 2014 vorbereitet. Orion soll vom Space Launch Complex 37 aus in eine Umlaufbahn in Höhe von rund 5.800 Kilometern geschossen werden und die Erde zweimal umkreisen. Danach ist die Landung im Pazifik vorgesehen. Der Testflug ist unbemannt.

“Der Testflug ist eine Herausforderung. Es wird schwierig werden. Wir haben Vertrauen in unser System aber wir sind sicher, das sich noch Probleme zeigen, von denen wir bisher nichts wissen”, sagte der Leiter des Orion Programms Mark Geyer gegenüber dem Orlando Sentinel.

Beim Testflug werden außerdem 10 Subsysteme ausprobiert, darunter ein Fallschirmsystem und neue Software für die Lebenserhaltungssysteme. Wenn der Flug erfolgreich verläuft, könnte die Nasa vielleicht wieder Mondflüge durchzuführen. Wenn der Versuch scheitert, sind allerdings auch 375 Millionen US-Dollar dahin. [Andrew Tarantola / Andreas Donath]

[Via Physorg, NASA, NYC Aviation, The Orlando Sentinel, Titelbild: Nasa]

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3 Antworten auf Orion: Die Zukunft des bemannten Raumflugs

  1. Bla 01 Jul 2012, 20:13

    Nochmal den Text auf Rechtschreibung überprüfen, die ist absolut grausig.

    • Andreas Donath 01 Jul 2012, 20:23

      Hm, Beispiel? Ich hab ehrlich gesagt außer einem Tipp- und einem Kommafehler nichts gefunden.

      • Karlchen 02 Jul 2012, 9:56

        Das ist doch schon mehr als genug für Menschen, die selbst keine Fehler machen! ;)

        Ein schöner Artikel, ich bin gespannt was mit dem Ding erreicht werden wird. (Dass es es in den Praxiseinsatz schafft bezweifle ich nicht.)