Windows 8 ist nicht nur für Microsoft kriegsentscheidend

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Auf der Computex stellten PC-Hersteller viele Notebook-Tablet-Chimären vor, die zwei bislang größtenteils getrennte Gerätekategorien verbinden sollen. Auch wenn die ersten Resultate wie das Asus Taichi und der Lenovo Yoga etwas verspielt wirken, erinnern sie uns daran, dass Microsoft nicht das einzige Unternehmen ist, das große Hoffnungen auf den Erfolg von Windows 8 setzt. Die Hardwarehersteller sitzen mit im Boot, aber vielleicht muss Microsoft sich auch selbst helfen.

Die Kreuzungen aus Tablets und Notebooks sind die Vorboten für das, was uns mit Windows 8 erwartet. Microsofts neues Betriebssystem soll für die Vereinheitlichung der Benutzeroberflächen aus dem Tablet- und dem Notebookbereich sorgen. Die Hardwarepartner von Microsoft versuchen nach Leibeskräften, die neue Benutzeroberfläche ihre neuen Kreationen zu unterstützen. Zwar ist unbestritten, dass Windows 8 das bislang beste Touch-Interface bietet, das Microsoft bisher entworfen hat. Aber der Versuch, die Benutzeroberfläche auch auf den Desktop zu holen, ist ein großes Wagnis. Ob das klappt ist keineswegs sicher.

Die Reaktionen auf das Metro UI von Windows 8, das auf normalen PCs läuft, sind sehr emotional geprägt. Microsoft hat damit einen fast schon religiösen Streit entzündet. Auf der einen Seite stehen die Befürworter der Metro-Oberfläche und auf der anderen die Verfechter der klassischen Windows-Oberfläche. In der Vergangenheit waren gerade die Windows-Produkte erfolgreich, die keine Revolutionen auslösten: Windows 7 ist optisch eine idealisierte Version von Windows XP, das seinerseits eine idealisierte Ausgabe von Windows 95 darstellt. Das wiederum hat seine Design-Wurzeln in Windows 3.11. Jede erfolgreiche Windows-Iteration basierte auf ihren Vorgängern. Aber Windows 8 ist nicht einfach ein verbessertes Windows 7. Es ist Microsofts Debüt als ernstzunehmender Teilnehmer im Tablet-Markt und gleichzeitig der Versuch, die Benutzeroberfläche von mobilen Geräten und dem Desktop zu vereinheitlichen. So radikal ist nicht einmal Apple. Das Abenteuer, auf das sich Microsoft hier einlässt, ist ziemlich groß.

Man kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig ein Erfolg für Windows 8 für Microsoft und für seine Hardwarepartner ist. Beide haben in den vergangenen Jahren gegenüber Apple Einbußen hinnehmen müssen, vor allem im Notebookmarkt. Von Tablets sollte man hier gar nicht reden. Mit Windows 8 wagt Microsoft etwas, bei dem Apple sehr behutsam vorgeht. Eine Annäherung von Mac OS X und iOS findet zwar jetzt schon statt, aber radikal vollzogen wurde sie bislang nicht.

Bei Windows 8 ist das anders. Doch auch in einem anderen Punkt ähneln sich die Unternehmen bislang nicht: Apple verdient durch seine eigene Hardware viel Geld, während Microsoft größtenteils ein Softwarekonzern ist, das auf die Unterstützung der Hardwareindustrie angewiesen ist. Windows 8 soll Tablets und Notebooks vereinen, aber den entscheidenden Schritt müssen deshalb Acer, Samsung, Lenovo und die anderen Hersteller machen.

Jeder PC-Hardwarehersteller hängt in diesem Fall von Microsoft ab. Noch hat man als Kunde die Wahl, später auf Windows 8 umzusteigen. Aber irgenwann in naher Zukunft kommt neue Hardware, angepasste Hardware zusammen mit dem neuen Betriebssystem auf den Markt. Das erste Mal seit geraumer Zeit sind die PC-Hersteller in der Lage, etwas fundamental Neues auf den Markt zu bringen. Das sorgt für einen bunten Reigen neuer Hardware. Aber nehmen es die Kunden an?

Microsoft tut alles, um den Hype um Windows 8 anzuheizen und versucht auf die Hardwarehersteller beruhigend einzuwirken. Die Hoffnung ist natürlich, dass die Kunden Windows 8 akzeptieren und gleichzeitig die Hardwareideen der Hersteller annehmen. Ein zweites Windows-Vista-Debakel sollte sich Microsoft lieber nicht erlauben. Vista hatte nicht unbedingt ästhetische Probleme sondern fundamentale Schwierigkeiten, und schon bald hieß es bei vielen Anwendern: Lieber nicht aufspielen sondern abwarten.

Windows 8 ist aber nicht wie Vista. Es ist größtenteils benutzerfreundlich aufgebaut und Performanceschwierigkeiten zeichnen sich auch nicht ab. Sollte es aber aufgrund des Interfaces oder der Hardware floppen, brechen allerdings harte Zeiten für Ballmers Team und die Hardwarehersteller an, die darauf setzten. Vielleicht kündigt Microsoft am Montag sogar ein eigenes Tablet an, weil man den Hardwareherstellern nicht zutraut, Apple Paroli zu bieten. [Kyle Wagner / Andreas Donath]

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