Test zum Alienware M17xR4: Warum unser Redakteur außer Landes musste

Ich verfasse diesen Text von einer kleinen mexikanischen Insel im Nirgendwo. Das Wetter ist schön, die Menschen sind freundlich und das Meer schützt vor Fremden. Wieso es mich auf diese Insel verschlagen hat? Damit die Jungs von Dell mich nicht ausfindig machen können. Eine lange Geschichte in wenigen Worten: Vor rund einer Woche erhielt ich ein Testmuster der neuen Laptop-Linie, genauer: den Alienware M17xR4.

Der kryptische Name ist recht einfach zu entschlüsseln. Das Ding hat 17 Zoll und ist die vierte Version des Systems. Dell dürfte also kleine Fehler der Vorgängermodelle kennen und hat sie gegebenenfalls ausgebessert.

Ich verrate es bereits jetzt: Das Alienware M17xR4 gehört zu den besten Gaming-Rechnern, die ich jemals bedienen durfte. Und genau da liegt das “Problem”: Ich bin nach Mexiko ausgewandert, um das Gerät nie wieder hergeben zu müssen. Alles was ich bei mir trage ist das M17xR4 (coole Typen sagen M17x) und ein Sack mit Kleidung, mehr benötige ich nicht vor Ort. Denn irgendwie kann das M17x (Kurznamen benutzt, ich bin also ein cooler Typ!) wirklich alles.

Alienware X51

Skepsis und ein Blick in die Vergangenheit
Wer meinen Test zum Alienware X51 gesehen hat, der wird sicherlich festgestellt und erkannt haben, dass mir vor allem das generelle Konzept eines Systems wichtig ist. Der X51 als erster Alienware-Desktop konnte mich nicht komplett überzeugen, weil sich Dell zu wenige Gedanken über die Zielgruppe gemacht haben. Bei mobilen System ist Alienware allerdings schon fest etabliert und mit dem M17x gibt es für Gamer die Sahnehaube auf dem Apfelkuchenstück des Spielspaßkonzeptes.

Große Worte, doch was ist mit Taten?
Typisch Alienware/Dell gibt es unterschiedliche Konfigurationen für das System. Die kleinste Variante des M17x beginnt bei 1499 Euro und lässt sich Dank schnellerer i7-Prozessoren, der Luxuskarte AMD Radeon HD 7970M, fetten 32 GB-RAM oder einem 1-TB-RAID mit zwei SSD-Festplatten bis zum Anschlag aufrüsten. Wobei allein die Speicherlösung mit 1 TB in diesem Fall fast 1700 Euro auf den Preis aufschlägt.

Bei der Konfiguration scheiden sich die Geister. Die Standardvariante enthält ein 1600×900-Display, das Full-HD-Display mit den für dieses Leistungssegment passenderen 1920×1080 Bildpunkten, kostet exta. Leider ist es nicht möglich ein mattes Display zu bestellen, das spiegelnde Display ist einer der größten Schwachpunkte des gesamten Systems. Sollte man den M17x mit an die frische Luft nehmen und die Sonne fällt in einem ungünstigen Winkel auf den Bildschirm, dann könnte man sich als Frau locker den Lippenstift oder den Lidstrich nachziehen. Geht Dell etwa davon aus, dass Spieler sich keinem Sonnenschein aussetzen? Oder erwartet man tatsächlich, dass man den Laptop ausschließlich als Desktopersatz und nicht mobil nutzt? Klingt sehr nach Stereotyp ‘Spieler’. Dass Dell matte Displays so strickt verweigert ist für mich – vor allem in dem Preissegment – absolut unverständlich. Der Bildschirm ist generell aber gut, nur eben nicht so gut wie der Rest des M17x.

So ärgerlich das mit dem qualitativ zwar guten, aber eben nicht perfektem Bildschirm ist, so erfreulicher ist ein Blick auf den Soundchip. Im M17x arbeitet kein billiges No-Name-Produkt sondern eine Soundblaster Recon3Di, die mit dickem Softwarepaket auftrumpft. Der Scout-Mode erlaubt beispielsweise die schnellere Ortung von anderen Spielern unter anderem in Ego-Shootern. Der Sound wird über zwei Lautsprecher an der Front des M17x ausgegeben und klingt schön wuchtig – eine externe Boxenlösung muss also nicht gesucht werden. Bei Teamspeak und Skype gibt es so, in Verbindung mit dem Sennheiser PC 350, einen glasklaren Klang bei Wiedergabe und Aufnahme.

Die Grafiklösung unseres Testsystems ist herausragend. Die AMD Radeon 7970M ist ein wahres Monster, wenn es an Spieleperformance geht. Allerdings muss sie dafür auch aktiv sein. Neben der Radeon ist auch ein integrierter Chip enthalten, der den Rechner beim Desktopbetrieb entlastet und so Strom spart. Das ist eine fantastische Lösung, in einigen Fällen (Max Payne 3, DotA 2, Diablo 3) wurde beim Spielstart allerdings nicht automatisch umgeschaltet oder nachgefragt: Die Spiele mussten manuell der dicken Karte zugewiesen werden, sonst gab es drastische Performance-Einbrüche.

Es gilt: Mit jeder der Konfigurationen, auch mit dem Basismodell zu 1499 Euro, lässt sich extrem gut spielen. Der Testrechner mit AMD Radeon 7970M, 8 GB-RAM und i7-3610QM 2,3 Ghz überzeugte selbst bei aktuellen Titeln wie Battlefield 3, Diablo 3, Alan Wake und The Witcher 2 mit Einstellungen, die bis zum Anschlag gezogen wurden.

In Sachen Gaming ist es so, dass kein von mir getesteter Gaming-Laptop dem Alienware M17x in seiner Gesamtheit so flott etwas vormacht. Das mag aber auch an der Konfiguration aus Radeon-Grafikkarte und SSD-Speicherlösung liegen, wird aber von den tollen Design-Entscheidungen abgerundet.

Kleiner Tipp: Das Gerät eignet sich auch sehr gut für HD-Videoschnitt und für Livestreams von Spielesessions via Xsplit und Twitch.

Du siehst so gut aus
Das Design des M17xR4 hat sich im Gegensatz zu den Vorgängermodellen nur minimal geändert. Mit seinen 45x304x410 Millimetern (H/B/T) wiegt der M17x knapp 4,3 Kilogramm. Das ist ungefähr so viel wie ein recht schwerer Neugeborener oder vier 1-Liter-Flaschen Wasser und drei Snickers. Auch an dieser Stelle lässt sich das Design konfigurieren. Zur Auswahl stehen ein schwarzes und ein rotes Gehäuse. Das einzigartige Design mit seinen futuristisch wirkenden Formen spaltet natürlich die Gemüter; Mir gefällt es aufgrund der klaren Struktur wirklich gut.

Ein Punkt der mir besonders gut gefällt ist die gummierte Oberfläche des Oberteils und der Handauflage rechts und links vom Touch-Pad. Das Touch-Pad selbst ist ebenfalls gut zu bedienen und muss nur kurz manuell optimiert werden: So war beispielsweise das Scrollen durch Internetseiten von Werk aus ausgeschaltet. Durch die von Alienware angebotene Systemlösung lässt sich das aber in wenigen Sekunden änden, ebenso wie die Farbe der Beleuchtung.

Achja, die Beleuchtung. Ich habe mir nie großartig Gedanken darüber gemacht, ob Beleuchtung meine Spielerfahrung erweitert. Ich möchte die verschiedenen Zonen der Lichtquellen und das Umschalten auf zwei Hände voll Farben gar nicht mit Hintergrundbeleuchtung von Fernsehern gleichsetzen, aber bei einem Spiel wie Diablo 3 kommt eine rote Beleuchtung durchaus mit einigem Flair daher. Doch das sind Details. Ich habe mir jedenfalls für verschiedene Spiele verschiedene Beleuchtungsvarianten ausgedacht und sie kurzerhand konfiguriert. Ging flott, macht Spaß. So muss das sein.

Im Punkt Design-Konzept gibt es eigentlich nur eine störende Einheit auf dem Laptop: Die oben rechts angebrachten Multimedia-Buttons sind vom Design gut, allerdings nicht so fein umgesetzt. Dazu erwischt man den richtigen Druckpunkt oft nicht richtig und sie lassen sich nicht sauber genug nutzen.

Das Keyboard des M17x ist unfassbar gut. Ich selbst spiele aktuell unter anderem DotA 2, Heroes of Newerth und Warcraft 3, allesamt Titel die genaue Eingabe erfordern und wo ich oftmals über 120 Aktionen pro Minute mit Maus und Keyboard erreiche. Die Druckpunkte beim M17x sind super und die Tastatur gibt leicht nach beim Drücken, so ist sie leise und effizient. In meinen Augen die beste Tastatur eines von mir getesteten Gaming-Laptops. Sollte es sie geben, dann habe ich sie nicht gefunden: Ich wünsche mir eine Möglichkeit per Tastenkombination oder Button die Windows-Keys zu deaktivieren, damit ich nicht ungewollt auf den Desktop befördert werde. Die G15-Tastatur von Logitech ist da ein gutes Beispiel für eine tolle externe Tastatur.

Durch den dicken Akku hält das Gerät bei runtergeschraubter Helligkeit ohne große Auslastung rund fünf Stunden. Mit starken Spieleanwendungen macht der Akku aber schon bei 60 bis 90 Minuten schlapp. Das Gerät selbst wird selbst bei eingestecktem Netzteil und massiver Auslastung nicht sonderlich heiß, diesen Umstand verdankt es dem hervorragenden Kühlsystem. Während der M17x bei Desktopanwendungen nahezu geräuschlos arbeitet, schalten sich die Lüfter beim Spielen dazu. Nicht sonderlich laut, aber hörbar. Die Ableitung der heißen Luft erfolgt nach hinten, anders als bei meinem aktuellen MSI-Notebook wo die Luft nach rechts entweicht – direkt auf die Maushand. Da hat Dell mitgedacht und sowohl Links- als auch Rechtshänder haben keine Probleme mit heißer Luft.

Am M17x befindet sich unter anderem ein zuschaltbarer HDMI IN (fn+F8). Schließt man dort beispielsweise eine Konsole (Xbox 360, Playstation 3) an, dann schleust der M17x das Bild der Konsole direkt auf den Monitor. Sehr gute Sache. Sehr, sehr gute Sache.

Fazit:
Ich wäre nicht in Mexiko, um vor Dell zu flüchten, wenn ich den Laptop je wieder zurück geben wollen würde. Das Teil bietet das Sorglos-Paket: Tolles Design, alle erdenklichen Anschlüsse und unglaubliche Spieleleistung.

Jetzt kommen sicherlich wieder einige Nörgler aus ihren Löchern und weisen auf den Preis hin: Ja, das Gerät ist mit einem Preis von rund 1.500 Euro für die 17-Zoll-Version, einige Mark teurer als es ein anderes Gerät mit ähnlicher Ausstattung eines anderen Herstellers wäre. Das ist ein Fakt. Allerdings ist der M17x auch außerordentlich gut verarbeitet – auf den ersten Blick findet man am Gerät keine einzige offen sichtbare Schraube. Es wäre schon eine Frechheit, wenn man das Ding nur als Laptop betitelt. Würde man eine Tastatur, einen Bildschirm und eine Maus anschließen, hätte man einen formschönen Desktop-Ersatz.

Solltet ihr die Kohle übrig haben und einen dicken mobilen Gaming-Laptop benötigen: Meine erste Wahl wäre der M17xR4.

Alternativ gibt es übrigens noch 11, 14 und 18 Zoll Varianten des Geräts.

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6 Antworten auf Test zum Alienware M17xR4: Warum unser Redakteur außer Landes musste

  1. Josy 12 Jun 2012, 23:14

    Ein toller Beitrag mit Infos, Super Witz und Spaß am text. Hoffe in mekxiko ist es schön?. Ist Chris der Chris von Gameone?

  2. Micha 13 Jun 2012, 9:58

    Saugeil!!! Mehr so Humor.

  3. Markus@Dell 13 Jun 2012, 12:40

    Sehr schöner Review, mal was anderes! Weiterhin viel Spaß beim zocken in Mexiko :-)

  4. Marion Lenke 14 Jun 2012, 10:23

    @Josy: Ja den haben wir uns ausgeliehen;-)

    • Josy 14 Jun 2012, 11:01

      hi marion. chris ist der beste schreiber von tests für spiele. aber hardware kann er ja scheinbar auch gut. bin durch seinen link auf eure seite gekommen bin jetzt öfters hier :)

  5. CyTack 24 Dez 2012, 1:45

    sehr geiler Test – aber recht muß ich dir geben – hatte lange nach einem Gamer Desktop Replacement gesucht und ihn im Alienware M17x gefunden – ich habe noch das Vorgängermodell mit der GTX M580 und bin sowas von zufrieden – ich geb ihn auch icht mehr her – wenn mein kleiner es irgendwann nicht mehr schafft kommt wieder ein Alienware ins Haus nie wieder irgend eine andere Firma denn das wichtigste hast du noch vergessen:

    Das Alienware M17 ist das einzige GamerNotebook was auch bei 35 Grad im Sommer ohne Probleme mitspielt – das bedeutet: im Gegensatz zu allen anderen Herstellen ist hier kein throttling spürbar was unter anderem auch ein Verdienst des markanten Gehäuses ist, welches ein solches Lüftungssystem erst möglich macht :)

    Ich kanns nur jedem Empfehlen der eine halbwegs vernünftiges Desktop Replacement sucht (als notebook kann man das wirklich nicht mehr bezeichnen ;)) – man muß aber mit dem preis leben…

    Eine Frage hab ich dann aber noch: du rennst mit deinem M17x draußen rum? :D das war doch aber nen Scherz oder? Denn für sowas gibt es mitlerweilen bessere Lösungen ;)