Test zu Diablo 3: Schlachtplatte, die Dritte

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Eine Woche ist es nun her, dass Blizzard den dritten Teil der Diablo-Saga auf die Welt der PC-Spieler losgelassen hat. Zeit für ein Zwischenfazit: Halten die Server dem Ansturm der Massen stand? Und ist das Monster-Schlachtfest wirklich so bunt, leicht und simpel gestrickt, wie es viele Fans im Hinblick auf den Betatest vermutet haben?

Mehr als 12 Jahre mussten Anhänger von Diablo II auf einen würdigen Nachfolger warten. Für die Qualität des Vorgängers spricht, dass er bis heute trotz mittlerweile arg angestaubter Grafik wenig von seinem Charme eingebüßt hat. Ein Grund dafür ist vor allem die enorme Spieltiefe bei der Ausarbeitung des Charakters. Für die bei jedem Stufenaufstieg verdienten Skillpunkte gibt es pro Klasse gleich mehrere Möglichkeiten zum Basteln einer schlagfertigen Kombination. Kommt dann noch eine dazu genau passende Verteilung von Attributen wie Stärke oder Leben und die perfekt abgestimmte Ausrüstung hinzu, unterscheidet sich die Spielweise im späteren Spielverlauf deutlich. Selbst bei der vierten hochgespielten Zauberin gab es so noch etwas Neues zu entdecken.

PR-Desaster: Online-Zwang und Serverprobleme
Die für den Spieler folgenreichste Änderung durch Diablo III ist derzeit allerdings nicht das komplett umgestellte System der Charakter-Entwicklung, sondern die Zwangsanbindung des Spiels an das Battle.net, der Online-Spieleplattform von Blizzard Entertainment. Gab es im Vorgänger noch einen Modus für Einzelspieler ohne Internetverbindung, ist nun eine Anmeldung zwingend erforderlich. Fallen die Server oder die eigene Verbindung aus, lässt sich Diablo III nicht spielen.

Entsprechend gespannt schauten Fans und Presse auf den 15.05.2012, als die Server kurz nach Mitternacht hochgefahren wurden. Es kam wie es die Kritiker prophezeit hatten: Die Technik knickte unter der Last der Spieler ein, über Stunden war ein Login nur mit Glück möglich. Wer keinen Platz auf dem Server ergattern konnte, erhielt als Rückmeldung oft nur „Fehler 37“, der prompt zum Running Gag im Web und auf YouTube avancierte. Auch in der Startwoche standen die Server auf wackeligen Beinen. Teils hohe Latenzen und Verbindungsabbrüche trübten den Spaß spürbar. Führt ein Lag im Zweifel zum nicht sonderlich hart bestraften Ableben des Charakters, setzt ein Verbindungsabbruch den Spieler beim erneuten Login zum nächsten Checkpoint zurück. Diese werden beim Erreichen bestimmter Punkte, meist am Ende einer Zone, automatisch gesetzt. Wer kurz vorher aus dem Spiel fliegt, darf das gerade gesäuberte Gebiet mit allen Gegnern gleich noch einmal Spielen. Lediglich die gesammelten Beutestücke und Erfahrungspunkte werden stets sofort gespeichert.

Zumindest wirken sich die angesprochenen Probleme nur auf das laufende Spiel aus. Schwerer wiegen die kompletten Aussetzer der Servertechnik während der Startwoche. Neben einigen Wartungsarbeiten zur besten Spielezeit am frühen Abend waren die Login-Server mehrfach kurzfristig wohl aufgrund von DNS-Problemen nicht mehr ohne den Griff in die Trickkiste zu erreichen. Der Super-GAU folgte dann am ersten Sonntag, als die Server für mehrere Stunden komplett offline blieben und danach nur eingeschränkt funktionierten. Der Ärger der zahlenden Kunden entlädt sich derweil in den offiziellen Foren und bei Amazon.

Die Story: Diablo 2.5
Schade ist dies unter anderem deshalb, da Diablo III eigentlich ein würdiger Nachfolger ist. Die Story knüpft an die Handlung der beiden Vorgänger an. Neueinsteiger haben aber nichts zu befürchten. Die bisherigen Ereignisse werden während der Installation noch einmal kurz als Bildergeschichte zusammengefasst. Während des Spiels gibt es immer wieder Bücher zu entdecken, die aus der Vergangenheit und der Geschichte der Diablo-Welt Sanctuary in Form von automatisch abgespielten Audio-Files erzählen.

Die Story des Helden beginnt mit dem Absturz eines Meteoriten auf die Kathedrale von Tristam, dem Schauplatz des ersten Teils. Geweckt durch den unerwarteten Besuch erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und marschieren auf den Ort New Tristram zu. Es liegt nun am Helden, zunächst die Herkunft des Himmelskörpers zu klären. Spätere Ausflüge führen in die Wüste und auf den Berg Arreat. Lediglich für das Finale präsentiert Blizzard eine Zone, die Veteranen bisher noch nicht besucht haben.

Die Grafik: Sparsam & gelungen
Dennoch kommt im Spielverlauf wenig Langeweile auf. Die Zonen haben grafisch mit der pixeligen Sprite-Grafik des Vorgängers kaum noch etwas zu tun. Gras teilt sich unter den Schuhen des Helden, durch die Wüste fegt ein leichter Sandsturm, Gruften sind in einen ungesunden Nebel getaucht. Zudem zieren deutlich mehr Objekte die Spielwelt. Diese werden von der 3D-Engine bei Bedarf rechtzeitig ausgeblendet und versperren so nie den Blick auf den Charakter. Außerdem sind große Teile der Einrichtung zerstörbar. Es hat schon einen gewissen Reiz, wenn der Barbar zu einem Rundumschlag ausholt und neben den Gegnern auch gleich drei Säulen in sich zusammenbrechen.

Oft kann die Umgebung direkt gegen Feinde eingesetzt werden. Ein gezielter Schuss auf einen Stützbalken lässt etwa eine komplette Mauer auf die Gegner stürzen. Darüber hinaus wird auch ein Teil der Story in der Spielgrafik erzählt. Hier zeigt sich eine Schwäche der Engine: Weder Drehen, Kippen oder wenigstens ein frei definierbarer Zoom sind möglich. Dafür ist Diablo III schon auf Rechnern der Mittelklasse mit vollen Details spielbar.

Ein Großteil der Story wird sowieso in Form von animierten Zeichnungen inklusive passender Vertonung präsentiert. Prunkstück der Serie sind natürlich immer noch die gerenderten Zwischensequenzen, mit denen die vier Akte verbunden sind. Hier legt Blizzard die Messlatte wieder ein kleines Stück nach oben. Besonders bei der Animation von Gesichtern trennt die CGI-Abteilung nicht mehr viel von realen Schauspielern.

Die Charaktere: Unterschiedlich und doch gleich
Viel wichtiger als die Grafik ist ohnehin der eigentliche Spielfluss. Hier fügen sich die einzelnen Puzzleteile wohl am besten zu Blizzards Idee von Diablo III zusammen. Zum Start steht die Wahl zwischen fünf Heldenklassen. Der Barbar setzt im Nahkampf auf mächtige Hiebe mit sehr großen Waffen, während der Mönch auf schnelle Angriffe mit den Fäusten spezialisiert ist und dabei den Schlägen seiner Gegner ausweicht. Wer lieber aus der Ferne angreift, findet im Zauberer und Dämonenjäger den passenden Avatar. Eine Sonderrolle kommt dem Hexendoktor zu, der ebenfalls aus dem Hintergrund agiert und dazu Höllenhunde und andere Schoßtiere an die Front schickt. Für jede Klasse gibt es eine männliche und eine weibliche Ausgabe, Veränderungen am Aussehen sind nicht möglich.

Komplett auf den Kopf gestellt wurde die Entwicklung der Charaktere: Skillpunkte und die manuelle Verteilung der Attribute fehlen komplett. Stattdessen werden neue Fähigkeiten beim Stufenaufstieg automatisch freigeschaltet. Gleichzeitig erhält der Charakter ein paar Bonuspunkte Stärke, Beweglichkeit, Leben und Intelligenz mit einer zur Klasse passenden Aufteilung. Unterschiedliche Builds entfallen. Charakter der Maximalstufe 60 können jederzeit, nur beschränkt durch eine kurze Abklingzeit, aus der Liste aller Fähigkeiten sechs auswählen. Die Wirkung jedes Skills lässt sich durch eine von fünf Runen noch einmal leicht abändern. Hinzu kommen 16 passive Fähigkeiten, von denen maximal drei gleichzeitig aktiv sind.

Der Anreiz, einen weiteren Charakter der gleichen Klasse auf die Höchststufe zu spielen, tendiert mit dem aktuellen System natürlich gegen Null. Es macht aber dennoch Spaß, sich aus den verfügbaren Skills seine persönliche Combo zu basteln und diese dann mit der passenden Ausrüstung aufzuwerten.

Schwierigkeitsgrad: Zu leicht oder Glücksspiel
Wie im Genre üblich kommt der Ausrüstung auch in Diablo III eine zentrale Bedeutung zu. Wer das für seinen Levelbereich optimale Gear am Körper trägt, kommt deutlich einfacher vorwärts. Händler verkaufen teils gute Rüstungen und Waffen zu gesalzenen Preisen. Gleichzeitig schließt sich ab der Mitte des ersten Akts ein Schmied dem Spieler an. Dieser kann gegen Gold immer weiter ausgebildet werden und bastelt aus den Resten unbrauchbarer magischer Gegenstände neue zusammen. Die auf den Items vorhandenen Eigenschaften und Attribute werden allerdings immer zufällig ausgewürfelt. Mit Pech bastelt der Schmied dem Barbar dann einen Zaubererhut. Nimmt man die Kosten für Ausbildung, Materialien und Schmieden zusammen, verkauft man nicht benötigte Gegenstände besser direkt an einen Händler. Mit dem Erlös kleidet man sich dann im Auktionshaus neu ein. Lohnend ist dagegen die Ausbildung des Juweliers, der später im Spiel zum Helden stößt. Seine magischen Edelsteine bringen gute Boni auf Gegenstände, die einen passenden Sockel haben. Entsprechend ausgerüstet sind auch eher exotische Spielweisen wie Nahkampf-Magier oder Hexendoktoren ohne Haustiere kein Problem.

Eher problemlos sollte der erste Gang durch die Story von Diablo III aber so oder so sein. Knifflige Stellen gibt es wenige, ein erster Härtetest ist der Boss im zweiten Akt und natürlich das große Finale. Wie lange der Weg dorthin dauert, hängt von der eigenen Spielweise ab. Wer gerne jede Ecke und Höhle bis in den letzten Winkel durchkämmt und die Story verfolgt, kommt auf knapp 20 Stunden reine Spielzeit. Mit dem finalen Bosskampf ist das Spiel allerdings noch nicht zu Ende. Es warten noch drei weitere Schwierigkeitsgrade auf den frisch gebackenen Weltenretter. Schon im zweiten Durchlauf auf „Alptraum“ sind die Gegner im ersten Akt deutlich wehrhafter. Hinzu kommen neue Fähigkeiten bei Elite-Gegnern. Diese werden zufällig ausgewürfelt. Mit Pech läuft man als Barbar in eine große Gruppe aus besonders starken Nahkämpfen mit Elementarschaden. Dann greift man immer nur kurz an, wenn alle Fähigkeiten bereit sind. Während danach die Abklingzeit bis zum nächsten Einsatz abwartet wird, läuft man teilweise mehrere Minuten um ein paar Bäume, die Monsterhorde auf den Fersen und die Musik von Benny Hill im Hinterkopf.

Dennoch lohnt es sich, auch schwierige Elite-Mobs nicht zu umgehen. Blizzard hat die Lootverteilung im Vergleich zum Vorgänger umgestellt. Die altbekannten Boss-Runs auf die Endgegner für den die besten Gegenstände lohnen sich nicht mehr. Auch die Mini-Bosse in Kellern und kleinen Höhlen sowie die Elite-Gruppen haben eine gute Chance auf wertvolle Gegenstände in den Taschen. Diese wird man spätestens auf der höchsten Stufe „Inferno“ auch dringend brauchen. Dieser ist schon zu Beginn härter als alle Stufen zuvor. Zusätzlich steigt Schwierigkeitsgrad hier auch noch mal über die verschiedenen Akte deutlich an. Blizzard hat den Modus als kleine Herausforderung für die Fraktion der Pro-Gamer geplant, was nur teilweise gelungen ist. Die aus der MMO-Szene bekannte Gilde Method brauchte bis zum endgültigen Durchspielen von Diablo III nicht mehr als eine Woche. Den normalen Spieler dürfte Inferno aber deutlich länger beschäftigen.

Fazit
Blizzard macht bei Diablo III vieles richtig. Der Schritt zum einfacheren Skillsystem ohne Möglichkeit den Charakter zu verskillen ist aus heutiger Sicht als Designentscheidung nachvollziehbar. Viele der Fans von damals dürften heute nicht mehr die Zeit haben, im Netz die Vor- und Nachteile verschiedener Skillungen durchzuarbeiten und den Aufbau des eigenen Helden generalstabsmäßig zu planen. Ganz anspruchslos ist das aktuelle System sowieso nicht. Wer dennoch ohne die Planungstiefe eines Diablo II nicht leben kann, dem sei Path of Exile ans Herz gelegt.

Ansonsten ist Diablo III modernes Popcorn-Kino im Spielformat. Man hat immer das Gefühl vorwärts zu kommen. Beim Levelaufstieg werden die neu verdienten Skills und Runen automatisch eingeblendet, ebenso die aktuellen Achievements von Freunden. Der Spielfluss wird selten unterbrochen. Questmobs werden auf der immer aktiven Minimap eingeblendet, Pfeile weisen den groben Weg zur nächsten Zone. Auch der Ausgang aus dem aktuellen Dungeon wird auf der Karte angezeigt, sobald man in dessen Nähe kommt. So biegt man nicht zwanzig Meter vor der gesuchten Tür doch noch mal falsch ab. Am Ende von zufällig auf der Karte platzierten Höhlen gibt es zudem einen Teleporter zurück an den Eingang.

Der Geburtsfehler von Diablo III ist die Bindung an das Battle.net ohne separaten Modus für Einzelspieler. Zwar sind die verschiedenen Online-Features wie die Gruppensuche und die Verbindung mit Freunden gut gelungen, diese sind einem guten Teil der Spieler aber herzlich egal. Diablo III wurde von Anfang als Game für einen Spieler konzipiert, spielerisch ist der Onlinezwang also Unsinn. Schlimmer noch: Da Blizzard die Technik für so ein hohes Spieleraufkommen in der ersten Woche nicht in den Griff bekommen hat, blockieren die Einzelspieler den Platz für Fans des Gruppenspiels. Am Ende kann niemand spielen. Natürlich verhindert Blizzard mit der Entscheidung Raubkopien und den Weiterverkauf von Diablo III. Dafür allerdings zahlende Kunden bluten zu lassen wirft kein gutes Licht auf Blizzard, dessen Ruf vor dem Release stark mit den Attributen Produktqualität und Kundennähe verbunden war.

 

 

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  1. Nach mehreren Stunden Spielzeit bin ich von Diablo 3 sehr enttäuscht. Die Steuerung und Schrägperspektive waren vor über zehn Jahren vielleicht der Hit. Bei Starcraft mag das auch noch funktionieren. Aber bei Diablo hätte ich mir gewünscht, dass das Spiel den selben Weg genommen hätte wie World of Warcraft, hin zu einer echten 3D Grafik. Man muss schon ein echter Diablo Nostalgie Fan sein, wenn man auf diese Grafik steht.

    Die Steuerung ist ein echtes Glücksspiel. Viele haben schon im Forum geschrieben, dass sie Probleme haben den Mauscursor im Gemetzel zu sehen. Auch die Steuerung der linken Maustaste ist wirklich nicht mehr State of the Art. Char bewegen und dann die Umschalttaste drücken bevor man eine Attacke ausführt. Meist rennt man dann in die Gruppe rein. Ich habe mich zwar mittlerweile dran gewöhnt, aber es spielt sich immer noch merkwürdig.

    Das größte Problem mit der Grafik ist, dass man nicht sieht was hinter einer Tür ist. Meist muss man erst in den Raum laufen und steht dann mitten in der Mob Gruppe, wenn plötzlich die Mauer verschwindet. Bei Bossfights verschwindet der Gegner ganz oder teilweise aus dem Bildschirm und man ballert auf gut Glück in Richtung Bildschirmrand. Bei echtem 3D könnte man die Kamera während des Fights drehen. Diablo 2 in allen Ehren, aber hier hätte der Nachfolger eine vernünftige 3D Engine verdient.

  2. Also ich kann deine Meinung echt nicht nachvollziehen. Sehr guter Spielspaß und genau richtig mit der Kameraeinstellung… nicht son WOW Dreck ;) Ich glaube hätten die die Spielart von Diablo verändert…. dann hätte es sich fast keiner gekauft…. dann wäre Diablo nicht Diablo..

  3. Was Gnubbel sagt, ist wirklich in keinster Weise nachvollziehbar. Ich spiele das Spiel nun seit Release und bin schwerst begeistert. Es ist genau das was ich erwartet habe und genau das was DIablo ausmacht !
    Wer Vergleiche auf andere Games zieht und seinen fokus auf schwenkbare Kameras legt oder auf “durch Wände gucken”, der sollte lieber zu World of Wayne oder anderen Kiddie Games gehen.
    D3 rockt und das richtig !

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