iPad 3 im Test: Spitze aber dennoch eine Enttäuschung

thumbnail_2_6d0bbab0_v2

Es gibt viel Positives zum iPad 3 zu sagen. Es ist hübsch, es ist schnell, es stellt die Zukunft des Rechners dar und es ist das beste Tablet am Markt. Aber es gibt auch vieles, was das iPad nicht ist. Und es ist definitiv keine Pressekonferenz wert.

Wir haben das iPad 3 nun mehr als eine Woche im Betrieb – und ja – der Bildschirm ist Weltklasse. Und der A5X-Prozessor ist für Spiele und das Websurfen eine Offenbarung in Sachen Geschwindigkeit. Und da wo die LTE-Verbindung funktioniert (nicht in Deutschland), da schlägt sie selbst einige DSL-Verbindungen. Und das iPad 3 ist natürlich auch sehr hübsch anzusehen. Das iPad 3 ist aber nur ein Upgrade. Wer schon ein iPad besitzt, der wird sich wundern. Denn das neue iPad ist keine Revolution, und das ist schade.

Es ist dennoch das beste Tablet auf dem Markt und sein Geld wert. Es gibt mittlerweile schnellere und teuerere Tablets, aber selbst die können dem iPad 3 nicht das Wasser reichen.
Dennoch gibt es ein Problem. Das iPad 3 lebt schon jetzt von der Reputation seiner Vorgänger und seiner hervorragenden Software. Das Design ist nicht neu und interessanterweise ist das neue Modell nicht dünner sondern dicker und schwerer geworden als sein Vorgänger. Unter Jobs wäre das unmöglich gewesen. Leider sieht es aber so aus, als habe Apple ein Problem, das Tablet signifikant zu verbessern und das ist die Chance für die Konkurrenz, es besser zu machen.

Was uns gefällt

iOS 5.1 ist ein ausgereiftes Betriebssystem, das nur wenige Wünsche offen lässt. Der Ausbau des RAM erlaubt das Laden von aufwändigen Websites in Sekundenschnelle und das Gerät reagiert ohne merkliche Verzögerung auf Eingaben.

Wenn man das iPad 1 und das iPad 3 vergleicht, ist der Geschwindigkeitszuwachs dramatisch. Aber im Vergleich zu seinen unmittelbaren Vorgänger ist das iPad 3 kaum schneller – solange man nicht eine extrem Hardware-lastige App laufen lässt. Real Racing 2 HD startet auf dem iPad 3 sechs Sekunden schneller als auf dem iPad 2 – aber beim Websurfen merkt man den Unterschied nur, wenn man ihn misst – fühlen lässt er sich kaum.

Das Retina-Display mit seinen 2048 x 1536 Pixeln ist extrem gut – und Fotos darauf zu betrachten macht einfach Laune. Wer mit dem iPad 3 Bücher oder Websites liest, wird von der hohen Auflösung ebenfalls profitieren. Der Text ist wesentlich ermüdungsärmer zu lesen. Dennoch kann ein E-Ink-Reader das iPad 3 immer noch locker in die Tasche stecken, wenn es ums Lesen von Büchern geht. Die Hintergrundbeleuchtung stört auf Dauer einfach mehr als ein passives Display.

Was uns weniger gut gefällt

Doch von der hohen Auflösung merkt man nicht immer etwas – ich hatte im Laden große Schwierigkeiten, das iPad 2 vom iPad 3 zu unterscheiden. Letztlich fiel mir der Unterschied zunächst durch ein ganz anderes Merkmal auf – aber dazu später.

Durch den riesigen Akku läuft das iPad 3 genau so lange wie das iPad 2. 10 Stunden sind es im Echtzeitbetrieb. Leider dauert es deutlich länger, das iPad 3 wieder zu laden. Wir hatten eine Spitzenladezeit von 9 Stunden zu verzeichnen. Selbst nach einer längeren Schlafzeit ist das iPad 3 unter Umständen noch nicht voll geladen.

Nun aber zu dem Merkmal, wie mir das iPad 3 im Laden auffiel. Es wird warm. Nicht so heiß wie manches Notebook, aber manchmal legt man das Tablet wegen der Wärmeentwicklung doch aus der Hand.

Die Kamera haben Apples Ingenieure mit 5 Megapixeln fast auf das Niveau der aus dem iPhone 4s gebracht, aber was nutzt die beste Digitalkamera, wenn sie so groß ist wie eine Zeitschrift? Leider ist die Facetime-Kamera immer noch auf absolut grottigem VGA-Niveau geblieben. Das ist eine Schande, denn gerade Facetime ist eine App, für die das Tablet hervorragend geeignet ist. Dafür reicht ein iPad 2 aber vollkommen aus.

Wer sich als Besitzer eines iPad 2 den Nachfolger kauft, wird den Kauf sicherlich nicht bereuen, aber sich doch fragen, warum er hunderte von Euro ausgegeben hat, um ein Gerät zu bekommen, das nicht wahnsinnig viel besser ist als das alte Modell. Ich bin gespannt, wieviele Kunden von ihrem Rückgaberecht Gebrauch machen werden. Apple hat zwar ein super Marketing, aber so gut wie versprochen ist das iPad 3 nicht geworden.

Fazit

Wer noch kein Tablet besitzt und eines kaufen will, sollte sich das iPad 3 besorgen. Es ist ein hervorragendes Gerät. Wer jedoch schon ein iPad 2 besitzt und nicht gerade ein fanatischer Comicleser (wegen des Displays) oder ein Spieler ist, der braucht das neue Modell eher nicht. Der Unterschied rechtfertigt den Kaufpreis nicht.

Gizsterne: 4,5 von 5

[Joe Brown / Andreas Donath]



Tags :