Photoshop CS6 im Test: Das beste Update seit Menschengedenken

Nachdem wir die Photoshop CS6 Beta ausprobieren konnten, sind wir einfach vernarrt in das neue Bildbearbeitungsprogramm von Adobe. Das erste Mal seit Jahren kann man sagen, dass dieses Update nicht nur sein Geld wert ist, sondern es schon fast Pflicht ist, es zumindest auszuprobieren. Wir haben für euch CS6 getestet.

Die neue Photoshopversion wird Bildbearbeitungsprofis nicht nur jede Menge Zeit sparen sondern erfreut den Anwender auch durch eine schöne neue Oberfläche. Und das Beste daran: Jeder kann Photoshop CS6 vollkommen gefahrlos und kostenlos ausprobieren.

Ich bin seit Photoshop 3.0 mit an Bord und kann mich auch erinnern, einmal Photoshop in einer noch früheren Version gesehen zu haben. Die Version 3.0 war die erste, die mit Layer arbeitete. Das hatte damals – 1994 – schon fast etwas Magisches. Jede Version danach brachte logischerweise etwas neues, und ich denke noch mit Freude an die Adjustment-Layers (Einstellungsebenen) in Version 4 oder die Möglichkeit , mehrere Undo-Schritte durchführen zu können. Adobe hatte sich auch lange damit Zeit gelassen. Um genau zu sein bis Version 5.

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In den letzten Jahren beschlich mich allerdings das Gefühl, dass die neueren Photoshopversionen nur noch aufgeblähter und mit Funktionen überfrachtet auf den Markt kamen, die der gewöhnliche Nutzer kaum benötigte. Es war zwar hübsch anzuschauen und beim Ausprobieren war man auch begeistert, aber im Alltag waren die Neuerungen größtenteils überflüssig. Bis CS6.

Die neue Version konzentriert sich auf die 10 Prozent der Funktionen, die für 90 Prozent der (erfolgreichen) Arbeit mit dem Programm verantwortlich sind.

Zurück zu den Anfängen

Als erstes fällt jedem, der das neue Programm installiert, das neue Interface auf. Es ist zum ersten Mal dunkelgrau gehalten. Wer das nicht mag, kann aber auch umschalten auf die frühere Farbgebung. Die neuen Icons in den Menüs sind auch nett, aber das Redesign geht deutlich weiter.

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Die jüngsten Photoshopversionen besaßen Oberflächen, die in vielen Ebenen, Knöpfen und Fenstern den Bildschirm bevölkerten. Für Menschen, die ein Auge für Design haben, war es nicht angenehm. Für CS6 scheint Adobe einen Experten angeheuert zu haben, der den Auftrag bekam, auszumisten, Und das hat der oder diejenige geschafft. Dabei wurde nicht nur an der Oberfläche gebastelt sondern auch in der Programmlogik gearbeitet

Crop

Eine der Funktionen mit einem deutlich verbesserten Interfaee und neuen Möglichkeiten ist die neue Beschnittfunktion. Witzigerweise ist es eine der am häufigsten genutzten Funktionen und sie bekam praktisch nie ein Update. Zum einen ist die Funktion nicht-destruktiv und zum anderen lässt sich der Beschnitt nun mit einer Rotation und einem Zoom verknüpfen.

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Das Ganze funktioniert dank der neuen Grafikengine namens Mercury in Echtzeit. Hilfslinien für den Goldenen Schnitt oder die goldene Spirale sowie für die Drittelregel sind integriert. Außerdem können eigene Linenraster angelegt werden.
In der Beschnittfunktion hat Adobe außerdem eine Wasserwaage integriert, mit der schief aufgenommene Bilder waagrecht ausgerichtet werden können. Früher war das alles zwar auch mit Photoshop machbar, aber die Funktionen mussten hintereinander ausgeführt werden. Nun sind sie alle zusammengeführt worden.

Rohdatenimport

Ich fotografiere seit vielen Jahren nur noch im Rohdatenformat und endlich zahlt es sich aus. Ich werde viele Bilder, die ich schon in der Vergangenheit mit einem Rohdatenentwickler öffnete, in Adobe Camera Raw 7 noch einmal ansehen. Der neue Algorithmus für die Wiederherstellung von Highlights, Schatten und die Beeinflussung der Weißtöne hat mich einfach umgehauen. Der Pinsel, mit dem schon im Rohdatenentwickler Masken aufgemalt werden können, ist eine Wucht. Damit können nun unterschiedliche Parameter auf die bemalten Bereiche der Bilder angewendet werden.

Schatten und Lichter

Diese Funktion wurde stark überarbeitet. Man kann die Werte nun ein einem deutlich größerem Umfang verändern, ohne dass Artefakte rund um kontrastreiche Bildelemente entstehen. Selbst aus den Bildern aus einem iPhone lässt sich noch etwas machen.

Schriftsatz

Endlich gibt es speicherbare Einstellungen für die Gestaltung von Absätzen und Buchstaben. Endlich braucht man für ernsthafte und schnell umsetzbare Typografie nicht mehr extra den Illustrator oder InDesign. CS6 unterstützt OpenType Ligaturen und zahlreiche weitere typografische Funktionen. Lustig ist der Generator für die Lorem-Ipsum-Bildtexte.

Mit Hilfe der Blendensimuation können nachträglich Schärfentiefeeffekte in bereits vorhandene Bilder eingerechnet werden. So lassen sich Bildbereiche betonen, auf die der Betrachter schauen soll und unwichtiges ausblenden. Einen Miniatureffekt zur Simulation von Tilt-Shift-Objektiven und ein Schärfeverlauf ist ebenfalls vorhanden.

Patch- und Move-Werkzeuge

Die alte Content-Aware-Füllfunktion war schon sehr nett anzusehen, aber benutzt hat man sie dann doch nur selten. Die verbesserte Version heißt Content-Aware Patch und ist deutlich mächtiger geworden. Wer ein Objekt aus dem Bild entfernen will, wählt es grob aus, schiebt die Auswahl in den Bereich, den Photoshop als Ersatz verwenden soll und die Software löst das Problem. Zwar ist keine 100prozentige Perfektion zu erwarten, aber in aller Regel funktioniert das Werkzeug problemlos.

Die neue Funktion Content Aware Move erlaubt das Verschieben von ausgewählten Objekten im Bild. Der ausgeschnittene Bereich wird sofort passend zur Umgebung wieder ausgefüllt.
Zwar ist auch hier nicht zu erwarten, dass alles perfekt wird, aber die restlichen Probleme lassen sich sich sehr schnell per Hand ausbessern.

Adaptive Weitwinkelkorrektur

Schon in CS5 hatte Adobe seinem Photoshop eine Linsenkorrektur verpasst, aber die adaptive Weitwinkelkorrektur ist um ein vielfaches Besser. Man kann dem Programm jetzt nämlich mitteilen, welche Bildbereiche es korrigieren soll und welche nicht. Bei Weitwinkelaufnahmen werden ehemals parallele Linien krumm und schief. Mit CS6 lassen sich diese Linien wieder gerade richten, indem man einfach eine Kurve darauf legt. Damit können perspektivische Verzerrungen selektiv korrigiert werden.

Filtern von Ebenen

Wer mit Photoshop arbeitet, verwendet in aller Regel Ebenen. Doch die Suche nach dem richtigen Layer konnte in der Vergangenheit lange dauern, weil es keine Suchfunktion gab. In Photoshop CS6 wurde sie nachgerüstet. Nun lassen sich Ebenen nach Art, Name, Effekt, Modus, Attributen und Farben suchen.

Hauttonauswahl

Eine Maskierungsfunktion speziell für Hauttöne erleichtert die Retusche von Portraits ganz erheblich.

Autokorrekturen

Es hört sich an wie ein Sakrileg, aber die neuen automatischen Korrekturfunktionen sind wirklich gut geworden und beschleunigen die Bearbeitung großer Bildsammlungen in der Praxis stark. Der Griff nach dem Kurvenwerkzeug wird dadurch wirklich seltener.

Hintergrundsicherung

Adobe hat eine Hintergrundspeicherung und eine Backupfunktion in Photoshop eingebaut, die viel Frustration verhindern soll. Zum einen speichert das Programm eure Arbeit automatisch alle 5, 10, 15, 30 oder 60 Minuten und kann nach Abstürzen die neueste Version wieder herstellen. Wer große Dateien bearbeitet, wird sich zudem über die Hintergrundspeicherung freuen, bei der man weiter arbeiten kann.

Geschwindigkeitssteigerungen

Adobe hat es geschafft, in praktische allen Programmbereichen die Verarbeitungsgeschwindigkeit zu steigern.

Schattenseiten

Die neue 3D-Funktion erlaubt es, dreidimensionale Texte aus dem Bild zu heben. Dabei wird das Bild als Textur für den Text verwendet. Das mag für einige Anwender sinnvoll sein, aber ich denke deren Zahl ist begrenzt. Darüber hinaus wurde eine sehr mächtige 3D-Modellierfunktion eingebaut, mit der dreidimensionale Objekte erstellt und verbogen werden können. Wer bislang Respekt vor 3D-Programmen hatte, wird gut mit den Funktionen in CS6 zurecht kommen. Wörter wie Nurbs und B-Splines werden einem dort nie über den Weg laufen.

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Was mir nicht gefällt, ist die Videoschnittfunktion. Sie ist für diejenigen eingebaut worden, die sich Adobe Premiere nicht kaufen wollen, und dennoch Videos bearbeiten wollen. Wer Rotoscoping liebt, wird allerdings die Funktionen lieben.

Fazit

Adobe hat es geschafft, seinem Schlachtschiff wieder neues Leben einzuhauchen. Dazu tragen nicht nur die neue Oberfläche bei sondern auch die Besinnung auf die Verbesserung der Basisfunktionen, die den Benutzern viel Zeit sparen werden.

Download: Adobe Photoshop CS6 Beta

Gizsterne 4,5

Wer mindestens 1 GByte RAM hat und über eine OpenGL 2.0 Karte verfügt, sollte sich das Programm holen. Die Beta ist kostenlos und läuft unter Windows und Mac OS X. [Jesus Diaz / Andreas Donath]

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9 Antworten auf Photoshop CS6 im Test: Das beste Update seit Menschengedenken

  1. User 26 Mrz 2012, 8:06

    Vielen Dank für diesen super Beitrag !!!
    Weiter so!!

    MFG

    User

  2. Dödelsackratte 26 Mrz 2012, 10:42

    Ich danke euch auch für diesen Artikel :) Weiter so! Gebt niemals auf.

  3. Denis 26 Mrz 2012, 18:07

    Sehr coole News,

    gerade als Fotograf einfach das Tool auf das man am Meisten zurückgreift :)

  4. Tobi 20 Apr 2012, 13:59

    Hört sich klasse an. Ich bleibe gespannt wie eine Flitzebogen.

  5. Joschi 12 Sep 2012, 11:07

    Also ich frage mich gerade, ob Ihr dieses Version wirklich getestet habt? Die CS6 Suite inkl. Photoshop ist mit ganz großem Absatnd wohl die schlechteste Version seit langem!!! Unglaublich viel Bugs, dumme Funktionen die niemand braucht, Abstürze ohne Ende, dumme Belegung der sonst üblichen Shortcuts usw. usf.

    Der gute alte Workflow ist somit im A****
    Ich bin aber so was von enttäuscht, das kann ich gar nicht in Worte ausdrücken!!!

  6. Joschi 13 Sep 2012, 18:13

    Ja habe ich, aber es ist trotzdem ein einziger Haufen voller M***

    Sorry, das ganze ist absolut untauglich für den täglichen Bedarf!

    • Andreas Donath 13 Sep 2012, 19:05

      okay- also helfen werde ich nicht können – aber ich muss sagen – ich war überrascht wie ausführlich sich Adobe Fehlermeldungen annimmt (im englischen Supportforum).