Rottet die Mäuse aus

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Selbst billigen Komplettrechnern liegen immer seltener Mäuse bei. Zum einen wollen viele Anwender sowieso ihre Lieblingsmaus einsetzen und kein preiswertes OEM-Modell. Zum anderen haben mittlerweile auch einige Hersteller erkannt, dass sich das Zeitalter der Mäuse langsam seinem Ende zubewegt. Und das zu Recht.

Ich kann Mäuse langsam nicht mehr sehen. Touchscreens und Trackpads beherrschen meinen Arbeitsalltag und diese Erfahrung teile ich mit vielen Anwendern, die eher mit Notebooks als mit Desktoprechnern arbeiten. Und selbst auf dem Schreibtisch steht bei mir keine Maus mehr sondern ein Trackpad. Für die tägliche Arbeit mit dem Browser, Textverarbeitungs- und Bildprogrammen komme ich mit Touchscreen und Trackpad und gelegentlich auch mit einem Tablet ganz gut aus. Wir sind durch den Siegeszug der Touchscreens auf Tablets und Smartphones sowie der Trackpads auf Notebooks daran gewöhnt worden, immer mehr unsere Finger als Eingabegeräte zu verstehen. Die beiden Mäuse, die ich besitze, stehen in der Ecke und setzen Staub an. Ihre Akkus wurden schon lange nicht mehr aufgeladen. Dazu sollte man allerdings wissen, dass ich seit Jahren nicht mehr am Computer spiele.

Douglas Englebart erfand den ersten Mausprototypen 1963 und zeigte ihn 1968 der Öffentlichkeit. Der Macintosh wurde 1984 zum Mainstreamrechner und seit knapp 30 Jahren schieben wir nun den Cursor mit einer Maus hin und her, klicken Maustasten und rollen Mausrädchen. Die Funktionen der Anwendungen sind hingegen seit Jahren gewachsen. Wir lassen Rechner mit 20 Programmen gleichzeitig laufen, haben Dutzende von Browserfenstern offen und versuchen trotzdem, mit einem Eingabegerät zurecht zu kommen, das für wesentlich einfacher gestaltete Oberflächen und Konzepte ausgelegt ist.

Eigentlich ist die Alternative längst da. Gestenbasierte Eingaben können wesentlich komplexere Aufgaben auslösen als es mit der Maus möglich ist. Sie versursachen zudem weniger RSI (Repetitive Strain Injury), also Verletzungen durch wiederkehrende Belastungen als Mäuse.

Gestenbasierte Eingaben mit Touchscreens ermöglichen zudem eine wesentlich ausgefeiltere Kontrolle über die Programmoberflächen. Damit lassen sich nicht nur einzelne Punkte ansteuern sondern gleich der gesamte Bildschirm. Komplexe Aktionen, die bislang vornehmlich mit Tastenkommandos erledigt werden konnten, lassen sich in einer Geste vereinigen. Klar – es gibt auch Mausmakros und Geräte mit wesentlich mehr Eingabetasten, aber letztlich stellen sie nur eine Brückentechnik dar, die letztlich zu Gesten-Kommandos führt.

Apple ist nicht das einzige Unternehmen, das simple Gesten mit Hilfe der Touchspads in den Notebooks erkennen kann. Die durchaus gute Gestenerkennung wurde auch in die Mac-Betriebssysteme übernommen und spielt in Lion und dem künftigen Mountain Lion eine große Rolle.

Die Magic Mouse von Apple sollte den Anwender daran gewöhnen, sich langsam von der Maus zu verabschieden und auf Gesten-Eingaben umzuschwenken. Sie war das erste Eingabegerät, bei dem die typischen Mauseingabefunktionen beibehalten wurden und dennoch eine Gestenbedienung über die berührempfindliche Oberfläche möglich ist. Danach folgte das Magic Trackpad für den Desktop, das neben die Tastatur gelegt wird, und eine Maus fast vollständig ersetzt. Aber auch im Windows-Lager tut sich etwas. Mittlerweile gibt es sogar Komplettrechner zum Beispiel von Vizio, die mit Trackpad und Fernbedienung ausgestattet sind. Eine Maus wird nicht mehr beigelegt.

Windows 7 unterstützt ebenfalls einige Gesten, aber erst in Windows 8 wird diese Eingabemöglichkeit voll ausgekostet. Und Microsofts ehemals nur für Spielkonsolen gedachte Kinect-Kamera mit Gestenerkennung wird auch für den PC neue Eingabemöglichkeiten bietet. Was das System leistet, zeigen einige Hacks schon jetzt. Irgendwann wird Kinect soweit ausgereift sein, dass es auch unsere Augenbewegungen bzw. unsere Blickrichtung erkennen wird und entsprechend Kommandos ausführt. Bis es soweit ist, wird jedoch noch einige Zeit vergehen.

Es ist kein großes Wunder, dass die Kinect aus der Spielewelt kommt. Wenn wir wissen wollen, wie wir in Zukunft arbeiten werden, müssen wir uns ansehen, wie wir heute spielen. Die Spieleindustrie hat Eingabemöglichkeiten entwickelt, die auch für komplexe Anwendungen in ernsthaften Programmen geeignet sind. Das bislang innovativste Touchpad kommt aus einer Spielefirma.

Es gibt jedoch einen Bereich, in dem Mäuse nach wie vor eine Existenzsberechtigung haben, und das sind First-Person Shooter. Dank ihrer Präzision und Geschwindigkeit ist es kaum vorstellbar, dass Mäuse komplett aussterben werden. [Mat Honan / Andreas Donath]

[Bild: Antonio Las / (CC BY 2.0)]

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