Apples OS X Mountain Lion killt zahlreiche Drittprogramme

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Apples OS X Mountain Lion (10.8) ist mit zahlreichen neuen Funktionen ausgestattet. Neben einer neuen Anwendung für Messaging werden auch noch anderen Dienste integriert, die vielleicht für den Nutzer sehr angenehm sind. Aber für die Anbieter von Software, die bislang diese Zwecke erfüllten, ist Mountain Lion eine Horrorvision, die schon im Spätsommer 2012 wahr wird.

Wir haben eine Liste mit den Programmen zusammen gestellt, die durch Apples OS X 10.8 alias Mountain Lion absolet werden oder zumindest in ihrem Fortbestand stark gefährdet sind.

Adium & AIM

Die meisten Anwender sind schon vor Urzeiten von ihrem alten AIM-Client auf Apples iChat oder die hervorragende Alternative Adium umgestiegen. Aber die neue Funktion “Messages” im Berglöwen ist ein Grund, die alten Programme fallen zu lassen. Adium ist zwar Growl-kompatibel und das war bislang ein deutliches Alleinstellungsmerkmal, aber auch hier wird Messages aufrüsten. Durch das neue Notification Center wird ein veritabler Growl-Konkurrent aufgebaut, der mit Messages zusammen arbeitet. Und die Logs von Messages werden über alle Geräte des Anwenders hinweg synchronisiert.

Und wer Facetime und iMessages geräteübergreifend einsetzen will, hat gar keine andere Wahl als Messages zu verwenden. Außerdem wird Messages von Apple aktiv gepflegt werden, während bei Adium die letzten Updates schon eine Weile her sind. Adium kann zwar mit Skins und Icons dem persönlichen Geschmack angepasst werden, aber ob das als Argument reicht, wage ich zu bezweifeln.

Dropbox

Es ist bekannt, dass Steve Jobs Dropbox kaufen wollte – für angeblich 800 Millionen US-Dollar. Der Cloudspeicherdienst sollten in iCloud integriert werden. Dropbox wollte nicht verkaufen und nun baut Apple sein iCloud einfach selbst aus.

iCloud ist bislang eine recht halbherzige Umsetzung des Cloud-Gedanken. Mit der künftigen Dokumentensynchronisation über alle Gerätegrenzen hinweg wird Dropbox in Mountain Lion jedoch mehr als deutlich nachgeahmt. Natürlich hat Dropbox noch den Vorteil, über Betriebssystemgrenzen hinweg zu funktionieren, aber wie lange wird iCloud brauchen, auch auf der Windows-Plattform oder zumindest im Web zu funktionieren?

SMS

SMS wird überleben – daran kann auch Apple nichts ändern. Kein Textaustausch ist so schnell universell über Gerätegrenzen hinweg möglich wie per SMS. Aber mit Messages können die Anwender zwischen iPhones, iPads und künftig auch über ihren Mac kostenlos Textdateien austauschen. Auf dem iPhone und dem iPad erkennt man den Unterschied kaum – SMS und die kostenlosen Messages werden über ein und dieselbe Anwendung geschrieben. Unter iOS-ANwendern und künftig auch Mac-Benutzern sind kostenpflichtige SMS künftig absolut überflüssig. Ob das die Telefongesellschaften freut?

Growl

Das Notification Center ist eine echte Bedrohung für den Benachrichtigungsdienst Growl, der zudem noch Geld kostet. Die kleinen Popup-Benachrichtigungen, die zum Beispiel bei eingehenden Chat-Nachrichten, neuen E-Mails, Statusmeldungen von Programmen und vielem mehr angezeigt werden, sind jedoch recht praktisch. Mit dem Notification Center integriert Apple genau die gleiche Funktionalität nun direkt in Mac OS X 10.8 alias Mountain Lion. Dritthersteller von Apps können die Schnittstelle problemlos in ihre Programme integrieren.

Apps, die nicht über den App Store erhältlich sind

Die Gatekeeper-Funktion von 10.8 ist eine Sicherheitsmaßnahme, deren Eingriffsstärke der Anwender selbst festlegen kann. Es handelt sich dabei nicht um ein Antivirenprogramm sondern um eine Funktion, mit der sichergestellt werden kann, dass nicht einfach beliebige Apps auf dem Rechner installiert werden können. Zwar ist die Grundeinstellung so, dass Apps aus allen Quellen installiert werden können, doch lässt sich auch einstellen, dass nur Apps aus dem Appstore und signierte Apps von Drittanbietern oder gar ausschließlich Apps aus Apples Appstore installiert werden dürfen.

Apple will natürlich Dritthersteller nicht einfach zwingen, über den Appstore zu verkaufen, aber übervorsichtige Anwender werden die Regeln im Gatekeeper vielleicht von sich aus besonders restriktiv einstellen. Aber was passiert, wenn Apple bei 10.9 vielleicht auf die Idee kommt, die Standardeinstellung selbst zu ändern. Dann wären Apps von Drittherstellern, die nicht über den Appstore verkaufen, massiv in ihrer Existenz bedroht.

Nicht alles ist schlecht

Auch wenn Apple aus für mich unverständlichen Gründen Twitter so stark in Mountain Lion integriert, dass es aussieht, als sei der Kurznachrichtendient integraler Bestandteil des Betriebssystems: Wer twittert, kann das künftig von allen Kern-Anwendungen von Mac OS X aus. Vielleicht kommen ähnliche Funktionen ja auch für Flickr, Facebook und andere Netzwerke hinzu.

Wie seht Ihr das? Bedroht Apple die Zukunft von Softwareherstellern durch die Integration von immer mehr Funktionen? Oder wird es ein friedliches Miteinander geben, dass die Entwickler dieser Apps sogar anspornt, ihre Produkte besser als die von Apple zu machen? Schreibt Eure Meinung einfach in die Kommentare. [Kyle Wagner / Andreas Donath]

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