Das ist Apples nächstes iPhone

Was Ihr hier seht ist das nächste iPhone. Es wurde in einer Bar im kalifornischen Redwood City, einige Kilometer südlich von San Francisco gefunden, getarnt als iPhone 3GS. Wir haben es. Wir haben es auseinander genommen. Es ist das echte, kein Zweifel. Und hier sind die Details.

Schon jetzt steht fest: Das nächste iPhone wird sich ziemlich deutlich von seinen Vorgängern unterscheiden. So viel ist klar, auch wenn Apple das Gehäusedesign vielleicht noch ein wenig aufpoliert, bevor das Gerät auf den Markt kommt.

Das ist neu

  • Kamera auf der Vorderseite für Video-Chats
  • Verbesserte Kamera auf der Rückseite mit deutlich größerer Linse als beim 3GS
  • Blitz für die Kamera
  • Micro-SIM statt Standard-SIM (wie beim iPad)
  • Verbessertes Display. Wir wissen noch nicht, ob es mit der Auflösung von 960×460 kommt, über die gemunkelt wurde. Aber das Display unseres Fundstücks sieht ziemlich danach aus. Schon der “Mit iTunes verbinden”-Bildschirm ist deutlich feiner aufgelöst als der bisheriger iPhones.
  • Zusätzliches Mikrofon seitlich am oberen Rand, eventuell zur Rauschunterdrückung
  • Getrennte Knöpfe für die Lautstärke-Steuerung
  • Alle Knöpfe mit Ausnahme des Home-Buttons sind metallisch.

Was sich ändert

  • Die Rückseite ist flach und besteht entweder aus Glas oder – was wahrscheinlicher ist – aus Keramik oder glänzendem Kunststoff. Klopft man darauf, dann klingt das verglichen mit Glas etwas hohler und höher. Schuld daran könnte aber auch die Anordnung der Hardware hinter der Abdeckung sein.
  • Ein Aluminium-Rahmen läuft rund um das Gerät herum.
  • Etwas kleineres Display als beim 3GS, aber mit höherer Auflösung.
  • 3 Gramm schwerer
  • 16% größerer Akku
  • Interne Komponenten wurden verkleinert, um den zusätzlichen Raum für den Akku zu schaffen.

Warum wir glauben, dass es das echte iPhone ist

Wir sind genauso skeptisch (wenn nicht sogar skeptischer) als Ihr. Zumal man uns ständig falsche Tipps zuspielt. Aber nach einer Woche mit dem gefundenen iPhone und der Demontage haben wir so viele Beweise gefunden, dass die Wahrscheinlichkeit ziemlich klein ist, dass wir mit unserer Einschätzung falsch liegen. Also eigentlich fast nicht vorhanden. Jemand anderes als Apple müsste ein Smartphone aus Apple-Komponenten gebaut haben. Ziemlich unwahrscheinlich. Aber hier die Gründe im Einzelnen:

Es wurde als verloren gemeldet

John Gruber von Daring Fireball steht in engem Kontakt mit Apple. Er sagt, dass Apple in der Tat einen Prototypen verloren hat und dass man sich das Gerät zurück wünscht. Zitat: “Also habe ich ein paar Anrufe gemacht und jetzt glaube ich, dass es sich um ein echtes Apple-Gerät handelt. Ein Gerät das Apple sehr gerne zurück hätte.”

Das Display

Leider haben wir dem Gerät noch nicht mehr als die Verbindungsaufforderung für iTunes entlocken können. Aber das USB-Kabel ist so fein gezeichnet dass man einzelne Pixel nicht auseinanderhalten kann. Wir kennen zwar nicht die exakte Auflösung, aber sie ist viel höher als die des iPhone 3GS.

Das Betriebssystem

Dem Finder zufolge lief auf dem iPhone beim Auffinden iPhone OS 4.0, und zwar schon vor dessen offizieller Präsentation. Der Finder konnte damit sogar einige Zeit herumspielen, bevor Apple das Gerät aus der Ferne lahmlegte. Das geschah leider bevor wir es in die Finger bekamen. Da die iPhone-Firmware modellspezifisch ist können wir es auch nicht mit einer Firmware, bspw. von einem 3GS, wiederherstellen.

Es wird als iPhone erkannt

Verbindet man das Gerät mit einem Computer, dann verhält es sich dort exakt so wie man es von einem iPhone erwartet, mit einer Bootvorgang und dem “Mit iTunes verbinden”-Dialog. Xcode und iTunes erkennen es beide als iPhone. Unter “Über diesen Mac” zeigt Mac OS X ein iPhone im Wiederherstellen-Modus, aber die Angaben für die CPID und die CPRV stimmen nicht mit denen bekannter iPhones überein.

Es verwendet eine Micro-SIM-Karte

Die Tatsache dass das Gerät eine Micro-SIM-Karte verwendet ist ein Wink mit dem Zaunpfahl dass es sich um die nächste Gerätegeneration handelt. Kein anderes Handy in den USA nutzt derzeit diesen Standard.

Der Tarnanzug

Das iPhone steckte in einer Hülle, die extra dafür entwickelt wurde, um es wie ein 3GS aussehen zu lassen. Das ist keine normale Hülle, denn sie hat bereits die richtigen Öffnungen für die neuen Knöpfe, die Kamera auf der Vorderseite und den Blitz. Aber sie sieht aus wie eine Hülle von Belkin oder Case-Mate.

Es ist genau jetzt gefunden worden

Man kann auch logisch eingrenzen, warum es sich um das nächste iPhone handelt, nicht um das 2011er Remake oder einen früheren Prototypen. Die Entwicklung des übernächste iPhones ist keinesfalls schon so weit vorangeschritten. Und das iPhone 3GS besitzt eine deutlich größere Hauptplatine, eine Standard-SIM-Karte und weder einen Blitz noch Kameras in dieser Größe bzw. an diesen Positionen.

Der definitive Beweis

Im Inneren fanden wir einen ganzen Schwung Hardware mit der Aufschrift “APPLE”. Und so kompakt wie die Hardware in das Gehäuse eingepasst wurde kann es sich kaum um die transplantierte Hardware eines 3GS oder 3G handeln. Vermutlich wäre das nicht einmal möglich, bedenkt man dass das neue Gehäuse dünner ist und der Akku mehr Platz frisst.

Das neue Design

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das neue Gehäuse so deutlich vom alten, dass man es für eine Zwischenlösung auf dem Weg zum endgültigen Design halten könnte. Auch wenn das Gehäuse schon Serienqualität hat, so fehlen doch einige typische Elemente aus dem Apple-Designbaukasten. Das Glas, das sich an den Metallrahmen anschmiegt – weg. Der kombinierte Knopf für die Lautstärkeregelung – weg. Die rundliche Form und der Chrom-Rahmen – weg.

Andererseits passt das neue Design viel besser zu Apples eher kantigen und schlichteren, übrigen Produkten, namentlich dem iPad und dem Macbook Pro. Man könnte auch sagen: Dieter Rams dürfte das neue Design deutlich besser gefallen. Aber warum das schwarze Plastik statt des Unibody-Aluminium-Designs? Warum zwei Lautstärke-Knöpfe statt einem? Warum die Nähte? Warum kein rundlicher Rücken mehr?

Der Plastikrücken

Der Plastikrücken ist die auffälligste Änderung im Design. Vermutlich tut sie Apples Chef-Designer Jon Ive auch am meisten weh. Aber im Interesse möglichst guten Empfangs (Handy, WLAN) führt kein Weg am Plastik vorbei. Das iPad, das trotz viel größerer Antenne vermutlich wegen seines Aluminium-Rückens mit WLAN-Empfangsproblemen zu kämpfen hat, kann ein Lied davon singen.

Getrennte Lautstärkeknöpfe

Das neue iPhone setzt auf zwei voneinander getrennte Knöpfe zur Steuerung der Lautstärke. Für die Lautstärke alleine macht das kaum Sinn. Aber denkbar ist, dass Apple dem iPhone endlich eine eigene Taste für den Auslöser der Kamera spendiert – und dass eine der Lautstärketasten eben diese doppelte Funktion hat.

Warum die Nähte?

Die Nähte sind vielleicht das überraschendste neue Designelement. Sie scheinen keinerlei ästhetische Kriterien zu erfüllen und auch in funktionaler Hinsicht fällt uns kein guter Grund dafür ein. Sie sehen zwar ganz gut aus, ein wenig wie die alten Braun-Produkte aus den 70ern. Aber Rams Design-Prinzip, demnach alles Überflüssige wegzulassen ist, widersprechen sie. Also müssen sie irgendeine noch unbekannte Funktion haben – oder sie verschwinden auf dem Weg zur Serienreife.

Wo sind die Kurven hin?

Die Kurven haben zu viel Platz gekostet – Platz den Apple braucht, um mit einem größeren Akku einen der größten Kritikpunkte am iPhone auszuräumen, die zu kurze Akkulaufzeit.

Die Hardware-Spezifikationen

Das iPhone misst 11,5×5,9×0,9 Zentimeter und wiegt 140 Gramm. Das 3GS wiegt 137 Gramm, ist also 3 Gramm leichter. Der Akku leistet 5,25 Wattstunden bei 3,7 Volt. Der Akku des 3GS bringt es auf 4,51 Wattstunden bei gleicher Voltzahl. Auf der Rückseite des iPhones heißt es “XX GB” und mangels lauffähigem Betriebssystem konnten wir die echte Größe des Flash-Speichers nicht überprüfen.

Wie es sich anfühlt

Ziemlich abgefahren. Ich habe die runde Rückseite des iPhones bisher nie gemocht, so dass mir die neue Gehäuseform ziemlich gut gefällt. Es fühlt sich auch robuster und weniger nach Plastik an als das 3GS. Die metallischen Knöpfe geben dem Gerät auch einen robusteren Charakter. Und ein bisschen ist das neue iPhone auch “Back to the roots” – in Sachen Robustheit ähnelt es am ehesten dem ersten iPhone.

Auch wenn das iPhone rundherum aus sehr glattem Material besteht, kann man es ohne Probleme halten. Weil es dünner ist fühlt es sich auch in der Hosentasche besser an.

Was das alles bedeutet

Apple hat das Gehäuse mächtig gepimpt und das alte Design runderneuert. Künftig kommt das iPhone mit einem dünneren Body und einem gefälligeren Formfaktor daher, ohne Platzverschwendung und mit einer ganzen Menge harter Kanten.

Das Design ist aber nicht das einzige, was sich ändert. Es gibt endlich die von vielen heißersehnte Front-Kamera, außerdem einen Blitz und eine bessere Kamera auf der Rückseite, einen stärkeren Akku und ein zusätzliches Mikrofon für bessere Sprachqualität. Wer das 3G vor zwei Jahren gekauft hat, dem steht mit dem nächsten iPhone ein richtig gutes Update bevor. Jetzt muss Apple das iPhone nur noch offiziell vorstellen. [Tim Kaufmann]

An alle iPhone-Fans: Gizmodo gibt es auch als kostenlose iPhone App.

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93 Responses to Das ist Apples nächstes iPhone

  1. Jojoapple
    07 Mrz 2011, 10:50

    Die haben das iphone4 noch n bisschen kantiger an den Ecken gemacht, is’nt it??

  2. Pingback: Rückblick aufs iPhone 4 und iPad 2 | JailbreakBox

  3. 11 Mai 2011, 14:43

    Also, ich brauche das IPhone nicht. Ich bin da altmodisch. Ich brauch mein Handy zum telefonieren und SMS schreiben.

  4. Kai
    17 Mai 2011, 15:27

    Super Artikel. Freue mich schon auf das neue iPhone.

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