Apples Bikini-Blockade: Warum es um mehr geht als um nacktes Fleisch

340x_grindr_01Seit ein paar Tagen kickt Apple Apps aus dem Store, von denen sich irgendjemand sexuell angegriffen fühlen könnte. Blinder Aktionismus, wie schon die wahllose Auswahl der entfernten Programme zeigt. Aber auch eine gefährliche Tendenz zur Zensur.

Fassen wir mal zusammen: Apples Phil Schiller behauptete gegenüber der Times, dass man auf Beschwerden von Kundinnen reagiere, die Frauen in einigen Apps zu Objekten herabgewürdigt sahen.

Man kann nun über viele Details streiten. Aktuell entlädt sich der Unmut darüber, dass Apple einige Apps löscht, aber zum Beispiel den Playboy und Sports Illustrated im Store belässt. Man darf sich fragen, ob die  Jugendschutzfunktion des iPhones denn keine ausreichende Kontrolle der digitalen Fleischbeschau ermöglicht hätte. Oder ob man es denn hierzulande zwangsläufig hinnehmen muss, wenn (auch in den USA als konservativ empfundene) Moralvorstellungen per Appstore ungeändert in die “Alte Welt” exportiert werden. Aber um all das geht es nur in zweiter Linie.

Apple hat das iPhone als geschlossenes System konzipiert und sich selbst einen Platz als Torwächter verschafft. Diese Position sichert Profit, schafft aber auch Verantwortung. Und der wird Apple nicht gerecht. Ein paar unzufriedene Kundinnen dürfen nicht ausreichen, damit die Kalifornier zum Zensor werden. Wer ist als nächstes dran? Die schwule Kontaktbörse (aus der obiges Bild stammt)? Die App, die Abtreibungen und Geburtenkontrolle diskutiert? Oder die App die lehrt, wie man zum Fundamental-Christlichen Missionar wird? Oder das Kreuzfahrerspiel Assassin’s Creed?

Unsere westliche Gesellschaft hält nacktes Fleisch, Randthemen gewidmete Bücher und unterhaltende, zugleich aber auch durchaus fragwürdige Computer-Spiele seit vielen Jahren aus. Apple (und auch andere Appstore-Betreiber) muss nicht mehr tun, als sich an die bewährten Spielregeln zu halten. Dass die Kalifornier stattdessen zum Zensor werden, ist mehr als bedenklich – auch wenn es derzeit nur um ein paar Brüste geht.  [Tim Kaufmann]

3 Responses to Apples Bikini-Blockade: Warum es um mehr geht als um nacktes Fleisch

  1. Stefan O.
    24 Feb 2010, 12:28

    Gut dass ich nicht auf Apples Bling-Bling reinfalle und nur auf Produkte setze, die meine Freiheit als Benutzer respektieren.

  2. Golfben
    24 Feb 2010, 13:16

    Das einzige was das iPhone den neuen Android-Handys meiner Meinung nach vorraus hat, is der App Store – aber wenn das so weiter geht wird diese Zensur Apple noch das Genick brechen…
    @stefan: signed…

  3. Pingback: Apples Zensurpolitik: Die neuesten Beispiele - DAS GADGET WEBLOG - DIGITAL LIFESTYLE TODAY AND TOMORROW

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